Pflanzen am Straßenrand Autobahn beherbergt erstaunlichen Artenreichtum

Für manche war es eine Mega-Feiermeile, für andere ein exotischer Spaziergang - und wieder für andere eine Chance für die Forschung: Als im Sommer die A40 im Ruhrgebiet gesperrt wurde, konnten Wissenschaftler dort Pflanzen zählen. Nun haben sie ihre erstaunliche Bilanz vorgelegt.
Gesperrte A40 (im Juli 2010): "Da müssen wir hin"

Gesperrte A40 (im Juli 2010): "Da müssen wir hin"

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Ruhrgebiet

Autobahn

Oberhausen - Die Autobahn-Party "Still-Leben A40" im Juli war einer der Höhepunkte des Europäischen Kulturhauptstadtjahrs im . Das Straßenfest auf 60 Kilometern Autobahn zog mehr als drei Millionen Besucher an. Doch nicht jeder wollte auf der wandern, picknicken oder anderweitig Spaß haben - manche kamen im Dienste der Wissenschaft: Unter ihnen waren auch 70 Botaniker. Sie nutzten die Chance, um entlang der gesperrten Fahrbahn Pflanzen zu erfassen.

Das erstaunliche Ergebnis liegt nun vor: Am Ruhrschnellweg zwischen Duisburg und Dortmund wachsen demnach mehr als 440 verschiedene Arten. Darunter sind seltene Pflanzen wie das Mauerglaskraut, das eigentlich eher in bäuerlicher Kulturlandschaft vorkommt. Auch der Krähenfuß-Wegerich tauchte auf. Er ist sonst eher an Nord- und Ostsee zu finden.

Es sei nur zu erahnen, wie diese Pflanzen an die Autobahn kommen, sagte Corinne Buch von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet. "Der Krähenfuß-Wegerich ist zum Beispiel eine Salzpflanze. Da spielt Streusalz eine Rolle", sagte die Forscherin.

An der gesperrten Autobahn fanden sich auch eingewanderte Pflanzen wie das Schmalblättrige Greiskraut. Es stammt eigentlich aus Südafrika und wurde wahrscheinlich an Lastwagenreifen eingeschleppt. Und es wachsen Stockrosen an der Autobahn, die sonst oft in Bauerngärten stehen. "Die könnten dahin gekommen sein, weil Menschen sie die Böschung runtergekippt haben. Das ist aber eigentlich verboten", sagt Forscherin Buch.

An dem Projekt waren neben Wissenschaftlern der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet und des Bochumer Botanischen Vereins auch Forscher der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Duisburg-Essen, der Universität Köln, des Ruhr Museums und von verschiedenen Naturschutzverbänden beteiligt. "Als wir vom Still-Leben erfahren haben, war sofort klar: Da müssen wir hin", sagt Forscherin Buch.

Biologen wissen schon seit einiger Zeit, dass Straßen zu Einfallstoren für neue Pflanzenarten werden können. Schon vor mehreren Jahren entdeckten Berliner Wissenschaftler zum Beispiel eingeschleppte Tomaten und Paprika an Straßenrändern - und auch Exoten wie die Kapstachelbeere aus Südamerika. Problematisch ist die Verschleppung von Saatgut gleich aus mehreren Gründen. Zum einen können neue Arten sich unkontrolliert vermehren und heimische Spezies schädigen, zum anderen können sich im Zweifelsfall auch genveränderte Pflanzen über den Straßenweg schnell über große Gebiete ausbreiten.

chs/dpa
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