Natürliche Detektoren Senfkörner sollen Chemiewaffeneinsätze aufdecken

Der Einsatz von Chemiewaffen lässt sich nur bis wenige Tage nach dem Vorfall nachweisen. Senfpflanzen könnten das ändern: Sie nehmen Nervengifte aus den Boden auf und speichern sie über viele Wochen.

Weißer Senf: Zieht Gifte aus dem Boden und baut sie ab
DPA

Weißer Senf: Zieht Gifte aus dem Boden und baut sie ab


Sowohl beim Nachweis eines Einsatzes von Chemiewaffen als auch bei der Reinigung verseuchter Böden kann eine Senfpflanze eine wichtige Rolle spielen: Der in Europa heimische Weiße Senf (Sinapis alba) nimmt bestimmte Nervengifte wie den Kampfstoff VX über den Boden auf und kann sie über Wochen speichern, berichten britische Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society A". Dadurch könne noch Wochen nach einem Chemiewaffen-Abschuss - wie etwa in Syrien - der Einsatz nachgewiesen werden.

Die Wissenschaftler um Matthew Gravett vom Defence Science and Technology Laboratory bei Porton Down in Großbritannien hatten Senfkörner einer Lösung mit 250 Mikrogramm des Giftstoffs VX ausgesetzt. Dieser ist mit dem Nervengas Sarin verwandt. Zusätzlich konfrontierten die Forscher die Pflanzen mit zwei Abbaustoffen des chemischen Kampfstoffs. Anschließend wurde der Senf in verschiedenen Stadien seines Wachstums untersucht.

Das Ergebnis: Spuren von VX und seinen Abbaustoffen fanden die Forscher in den Proben noch mindestens 45 Tage nach der Verseuchung. "Länger als im Boden", so Gravett und Kollegen. Durch Bodenuntersuchungen wird üblichweise versucht, einen Einsatz von Chemiewaffen nachzuweisen.

Erst speichern, dann abbauen

Die nun angewendete Technik erlaubt es, noch kleinste Spuren des Gases aufzuspüren. "Wir haben gezeigt, dass Sinapis alba die Beweise für einen Einsatz von Nervengas konservieren kann, sodass diese danach gefunden werden können", schreiben die Wissenschaftler. Mit ausreichenden wissenschaftlichen Kenntnissen könne auch der Zeitpunkt des Einsatzes ermittelt werden. Allerdings müssten die Pflanzen dazu rechtzeitig in dem betroffenen Gebiet gepflanzt werden.

Auch langfristig hätte der Einsatz von Senfpflanzen einen positiven Nebeneffekt: Die giftigen Überreste von Sarin-Gas im Boden, das etwa im Bürgerkrieg in Syrien zum Einsatz kam, werden durch die Senfpflanzen abgebaut.

Die im Mittelmeerraum beheimatete schnellwachsende Pflanze des Weißen Senfs ist an ein trockenes Klima besonders gut angepasst. Im Alltag werden die Senfkörner von Sinapis alba für Tafelsenf verwendet. Wegen der gelben Blüten wird das Gewächs auch Gelber Senf genannt.

jme/AFP



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