Artenvielfalt Pflanzenschutzmittel gefährden deutsche Gewässer

In vielen Gewässern weltweit ist die Konzentration von Pflanzenschutzmitteln zu hoch, berichten Forscher. Sie hatten Daten aus 73 Ländern ausgewertet. Auch in Deutschland werden Grenzwerte oft nicht eingehalten.
Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: Regengüsse spülen giftige Stoffe von Feldern in anliegende Gewässer

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: Regengüsse spülen giftige Stoffe von Feldern in anliegende Gewässer

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ ZB

"Es ist in Deutschland ähnlich wie überall", erklärt Ralf Schulz von der Universität Koblenz-Landau. Zwischen Ländern mit strenger Umweltgesetzgebung und weniger restriktiven Ländern gebe es kaum Unterschiede bei der Belastung der Gewässer. Pflanzenschutzmittel verschmutzen Gewässer weltweit und gefährden die Artenvielfalt von Insekten und kleinen Krebsen, zeigt eine Studie.

In vielen deutschen Gewässern sei die Konzentration der Stoffe sogar oftmals höher als von den Behörden zugelassen, berichten die Forscher. Für Menschen bestehe in Deutschland allerdings keine direkte Gefahr, das Trinkwasser sei gut überwacht, so Schulz.

Schulz hatte gemeinsam mit einem Kollegen 838 Studien zu Gewässerverschmutzung aus 73 Ländern ausgewertet und damit Daten von insgesamt 11.300 Proben, in denen für Insekten und Kleinkrebse giftige Mittel im Gewässer nachgewiesen wurden. In mehr als 50 Prozent der Fälle waren die Stoffe höher konzentriert als zugelassen, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" . Das gefährdet die Artenvielfalt.

Hohe Dunkelziffer

In vielen Teichen und Bächen sei der Schaden längst angerichtet, so Schulz, denn die Untersuchung stützt sich auf wissenschaftliche Artikel aus den Jahren 1962 bis 2012. Bei neueren Wirkstoffen sei das Bild bedenklicher als bei älteren.

Schulz geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Weltweit dürften gerade einmal Daten von rund zehn Prozent der Gewässer vorliegen, berichtet er. Außerdem seien Insektizide oft nur an zwei bis drei Tagen im Jahr in den Gewässern vorhanden. Daher gebe es an vielen Tagen gar keine Hinweise darauf.

"Auch in hoch belasteten Gewässern findet man nur an wenigen Tagen im Jahr Insektizide, weil sie sehr schnell abgebaut oder im Fall von Fließgewässern abtransportiert werden", sagte Schulz. "Aber bei hohen Konzentrationen reicht eine kurze Zeit, um alle Insekten im Gewässer zu töten."

Fehlerhafte Anwendung, mangelhafte Überwachung

Schuld an den hohen Werten könnten Fehler bei der Anwendung der Mittel sein. Jörn Wogram vom Umweltbundesamt (UBA) vermutet, dass Landwirte die Bestimmungen beim Einsatz der Gifte nicht einhalten. Probleme könnte auch die Zulassung verursachen, meinen die Forscher. Die Höchstkonzentrationen würden bei der Markteinführung unrealistisch eingeschätzt.

UBA-Forscher Wogram nennt die Erkenntnisse der Landauer Forscher alarmierend. Gewässer mit einem Einzugsgebiet von weniger als zehn Quadratkilometer würden hierzulande nicht genügend überwacht. Dabei machen sie nach Wograms Angaben einen Großteil aller Fließgewässer aus. Außerdem lägen gerade die kleinen Bäche und Tümpel näher an landwirtschaftlichen Flächen und seien Insektiziden daher besonders ausgesetzt.

jme/dpa
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