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Sensible Meeresbewohner: Vergängliche Schönheit

Foto: Jason Suwandy/ dpa

Prognose bis 2030 Klimawandel lässt Korallenriffen kaum eine Chance

Korallen wachsen langsam - auf die schnelle Erwärmung der Meere können sie sich deshalb kaum einstellen. Eine Analyse von weltweit 2000 Standorten zeigt nun, welch gravierende Probleme drohen.

Potsdam - Die weltweiten Klimaverhandlungen kommen seit Jahren nicht entscheidend voran. Das Ziel, die vom Menschen verursachte Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wird damit immer schwieriger zu erreichen. Viele Menschen haben diese Nachricht mittlerweile schon oft gehört. Doch was das für die Ökosysteme der Erde bedeutet, wird dabei längst nicht immer klar - zumal, wenn es um Probleme in den Weiten der Weltmeere geht.

Eine neue Übersichtsstudie, für die sich Forscher um Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die wichtigsten Korallenriffe der Weltmeere angesehen haben, zeigt schlaglichtartig die dramatischen Folgen des Klimawandels - und der Unfähigkeit der Staaten, zu Ergebnissen beim Klimaschutz zu kommen. Die globale Erwärmung könnte demnach bis 2030 rund 70 Prozent aller Korallenstandorte langfristig schädigen, falls sich die Korallen nicht doch noch anpassen können. Doch danach sieht es nicht aus.

Massive Probleme bestünden sogar in dem den Fall, dass der Treibhausgasausstoß kurzfristig stark reduziert werde, so die Forscher. Um wenigstens die Hälfte der Korallenriffe weltweit zu schützen, müsse die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad begrenzt werden, schreiben die Forscher im Fachjournal "Nature Climate Change" . Angesichts der bisherigen Ergebnisse der Klimadiplomatie ein beinahe aussichtsloses Ziel.

Mit 19 verschiedenen Klimamodellen hatten die Frieler und ihre Kollegen den Wärmestress an 2160 Korallenstandorten weltweit simuliert. Kurzfristig können Korallen höhere Temperaturen vertragen - aber langfristig gefährden diese ihr Überleben. Wenn die Symbiose aus Korallen und Mikro-Algen, von denen die Korallen einen Großteil ihrer Energie und auch ihre Farbe erhalten, zusammenbricht, sprechen Forscher von einer sogenannten Korallenbleiche. Immer wieder gibt es Berichte über großflächiges Auftreten solcher Probleme.

Lange Lebenszyklen machen Turbo-Evolution schwierig

Andererseits ist die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von Korallen belegt. So überstanden Steinkorallen etwa das schlimmste Massenaussterben der Erdgeschichte vor 251 Millionen Jahren am Ende des Perm. Damals starben 95 Prozent aller Arten von Meerestieren aus. Die Frage ist nur, ob den Korallen genug Zeit für die Anpassung an steigenden Temperaturen bleibt - zum Beispiel, indem sie mit wärmeresistenteren Algen eine Symbiose eingehen. "Aber das wissen wir noch nicht genau. Selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen stark vermindert würde, müssten mögliche Anpassungsmechanismen sehr schnell wirken", sagt Forscherin Katja Frieler.

Korallen haben lange Lebenszyklen von 5 bis 100 Jahren. "Sie sind nicht wie Fruchtfliegen, die sich viel schneller evolutionär entwickeln können", warnt Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland in Australien, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Neben der Temperaturentwicklung stellt die Ozeanversauerung einen weiteren Risikofaktor für die Korallen dar. Meerwasser wird saurer, wenn es Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt - dies stört möglicherweise die Kalkbildung der Korallen.

"Die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf die Empfindlichkeit der Korallen gegenüber der Erwärmung der Ozeane sind zwar noch umstritten. Aber in unserem Simulationen wären dann 2030 auch bei starken Emissionsreduktionen sogar 86 Prozent aller Korallenriffe geschädigt", sagt Katja Frieler.

Auch die wachsende Verschmutzung der Meere, etwa durch Einleitung von Nährstoffen, könne den Trend noch zusätzlich negativ beeinflussen. Langfristig werde sich die Artenzusammensetzung der Riffe voraussichtlich ändern, glaubt Frieler. Es werden sich jene Korallen behaupten, die weniger wärmeempfindlich sind. "Aber wie lange diese gegenüber weiter steigenden Temperaturen resistent sind, wissen wir nicht."

chs/dpa
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