Klimawandel-Studie Extremwetter trägt Handschrift des Menschen

Rekord-Regenfälle, extreme Stürme, Hitzewellen: Wie viel davon beruht auf natürlichen Schwankungen, wie viel auf dem Einfluss des Menschen? Forscher haben jetzt die vergangenen zehn Jahre analysiert. Das Ergebnis: Ohne das  Zutun des Menschen sind die Wetterkapriolen nicht mehr erklärbar.
Überschwemmung in Australien (2. März 2012): Wetterkapriolen häufen sich

Überschwemmung in Australien (2. März 2012): Wetterkapriolen häufen sich

Foto: Cameron Spencer/ Getty Images

Der vom Menschen verursachte Klimawandel existiert - darüber ist sich die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler einig. Dennoch ist es äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich, einzelne Wetterphänomene auf ihn zurückzuführen. Denn Hitze- und Kältewellen gab es schon immer, die globale Erwärmung kann lediglich die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens oder ihre Heftigkeit erhöhen.

Laut einer neuen Studie von Dim Coumou und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist genau das in den vergangenen Jahren geschehen. Es gebe inzwischen "starke Indizien" dafür, dass der menschliche Einfluss auf das Klima eine Rolle bei Wetterereignissen des vergangenen Jahrzehnts gespielt habe. Das gelte insbesondere bei starken Regenfällen und Hitzewellen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change" . Bei Stürmen sei der Zusammenhang dagegen weniger klar.

"Das vergangene Jahrzehnt war eines nie dagewesener Wetterextreme", schreibt das PIK in einer Mitteilung zu der Studie. Coumou betonte, die Häufung von Wetterrekorden könne nicht mehr mit Zufällen erklärt werden. Er verglich den menschlichen Einfluss aufs Klima mit einem Spiel mit gezinkten Würfeln. Man könne zwar nie wissen, wann genau eine Sechs falle. "Aber da wir die Würfel verändert haben, wird es sehr viel öfter passieren." Das illustriere schon dieses Jahr: Allein zwischen dem 13. und 19. März habe es in Nordamerika an mehr als tausend Orten Wärmerekorde gegeben.

Tropenstürme dagegen sollten nach dem Stand der Forschung durch höhere Wassertemperaturen zwar stärker, aber nicht häufiger werden. Im vergangenen Jahrzehnt sind laut der Studie mehrere Rekordstürme aufgetreten, allerdings konnten die Zusammenhänge noch nicht exakt entschlüsselt werden. Ursache für die beobachtete Zunahme der Intensität von Tropenstürmen im Nordatlantik zwischen 1980 bis 2005 könnte neben der globalen Erwärmung auch eine Abkühlung der obersten Luftschichten sein. Kälteextreme nehmen mit der globalen Erwärmung insgesamt ab, so die Forscher.

Rahmstorf sagte, einzelne Wetterextreme hätten oft mit regionalen Prozessen zu tun wie einem blockierten Hochdruckgebiet oder natürlichen Phänomenen wie El Niño. Das seien komplexe Prozesse, die weiter erforscht werden müssten. Doch sie entfalteten sich jetzt vor dem Hintergrund einer globalen Klimaerwärmung. "Und die kann dann aus einem Extremereignis ein nie zuvor beobachtetes Rekordereignis machen", so Rahmstorf.

2011 gab es in den USA 14 Wetterextreme, die jeweils Schäden in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar angerichtet haben. Australien, Japan und Korea verzeichneten Rekord-Regenfälle. 2003 erlebte Europa den heißesten Sommer seit mindestens 500 Jahren, die Hitzewelle im August 2003 forderte mehrere Zehntausend Tote - sie war damit die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des Kontinents. 2002 fiel auf die Wetterstation von Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge an einem Tag mehr Regen als in Deutschland je zuvor gemessen wurde - auf die schweren Regenfälle folgte die Jahrhundertflut der Elbe.

Bereits 2011 kam der Uno-Klimarat (IPCC) zum Schluss, dass die Menschheit sehr wahrscheinlich häufiger mit extremen Hitzewellen und Sturmfluten rechnen muss.

wbr/dpa