Ressourcen Menschheit treibt Natur über Belastungsgrenzen

Die Menschheit nimmt der Erde mehr, als sie langfristig geben kann. Ein Bericht zur Lage der Ressourcen-Nutzung warnt: Vier von neun Belastungsgrenzen des Planeten sind bereits überschritten.
Umweltzerstörung durch illegalen Bergbau in Peru: Der Mensch treibt die Erde an ihre Grenzen

Umweltzerstörung durch illegalen Bergbau in Peru: Der Mensch treibt die Erde an ihre Grenzen

Foto: Rodrigo Abd/ AP/dpa

Abholzung von Wäldern, Überfischung der Ozeane, Verschmutzung der Umwelt: Die Menschheit mutet der Natur mehr zu, als sie auf Dauer verkraften kann. 2009 hatten Wissenschaftler einen ersten Versuch unternommen und "planetare Grenzen" postuliert, die zeigen sollen, wann die Umwelt in einen kritischen Bereich gerät.

Jetzt haben sie ihre Zahlen aktualisiert - und das Ergebnis ist wenig beruhigend: Die menschliche Aktivität sei so dramatisch gestiegen, dass die "relativ stabile Epoche" der vergangenen 12.000 Jahre "destabilisiert" werde.

In vier von neun Bereichen habe die Menschheit den sicheren Bereich bereits verlassen, der das Fortbestehen stabiler Verhältnisse garantiert, schreibt Will Steffen vom Stockholm Resilience Center im Fachblatt "Science" . Die kritischen Bereiche sind demnach

  • der Klimawandel,
  • die Artenvielfalt,
  • die Landnutzung und
  • die globalen Phosphor- und Stickstoffkreisläufe.

Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre hat inzwischen 400 Teile pro Million (ppm) erreicht. Die sichere Grenze, die nach aktuellen Modellrechnungen die globale Erwärmung unter 1,5 Grad hält, liegt dagegen bei 350 ppm. Steffen und seine Kollegen sehen die Menschheit derzeit in der "unsicheren Zone". Ab 450 ppm beginne die "Hochrisiko-Zone".

Im Bereich der Lebensräume von Tieren und Pflanzen sei die Gefahrenzone nach Meinung der Forscher bereits erreicht. Insbesondere die genetische Vielfalt - welche bestimmt, wie gut Tiere und Pflanzen mit Veränderungen fertig werden - sehen die Wissenschaftler durch das rasante Artensterben gefährdet. Auch bei der Freisetzung von Phosphor und Stickstoff, vor allem durch Düngung in der Landwirtschaft, sei bereits der Bereich großer Risiken erreicht. Bei der Landnutzung sei die sichere Zone ebenfalls verlassen.

Rasante und massive Veränderungen

"Durch das Überschreiten dieser Grenzen erhöht sich das Risiko, dass der Einfluss des Menschen die Erde weniger lebensfreundlich macht, dass Bemühungen zur Armutsbekämpfung beeinträchtigt werden und dass sich das menschliche Wohlergehen in vielen Teilen der Welt verschlechtern könnte, auch in reichen", erklärte Steffen.

Seien bestimmte Schwellen erst überschritten, könnten womöglich auch Gegenmaßnahmen den Verfall des Erdsystems nicht mehr aufhalten. "Man kann das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Veränderungen kaum überschätzen", so Steffen. "In einer Generation ist die Menschheit zu einer planetenweiten geologischen Kraft geworden."

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK steuerte nach eigenen Angaben neue Simulationen für den menschlichen Einfluss auf Wasserressourcen und Ökosysteme bei. Dabei sei festgestellt worden, dass der menschliche Wasserverbrauch in Regionen wie dem Westen der USA, Teilen Südeuropas, Asien und dem Mittleren Osten die "Toleranzlimits" bereits überstiegen habe. Global gesehen gelte das aber noch nicht.

Auch der Ozonverlust in der Stratosphäre bewegt sich laut der Studie noch im sicheren Bereich, ebenso wie die Versauerung der Ozeane - wenn auch nur knapp. Keine Aussage treffen die Wissenschaftler für die beiden restlichen Bereiche - die Aerosol-Belastung der Atmosphäre und "neue Einheiten" (noch nicht ausgewertete Lebensformen und Substanzen).

Zudem haben die Forscher den Klimawandel und die Biosphäre als Kernbereiche identifiziert - weil "bedeutende Veränderungen" in diesen Bereichen schon für sich genommen ausreichen könnten, "das Erdsystem in einen neuen Zustand zu treiben".

mbe/AFP
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