Verschmutzte Meere Forscher wollen Weg des Plastikmülls ergründen

Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Ozeanen und bedrohen zahlreiche Lebewesen. Oldenburger Forscher wollen die Wege des Plastiks nachzeichnen. Bei dem Mitmach-Projekt sollen Bürger helfen.
Holzdrifter zur Erfassung des Meeresmülls

Holzdrifter zur Erfassung des Meeresmülls

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Vögel verfangen sich in Plastikteilen und gehen qualvoll zugrunde. Zudem finden sich Kunststoffreste in den Mägen von Meeresbewohnern. Und selbst wenn sich Plastikteile im Laufe der Zeit stark verkleinern, sinken sie zum Meeresboden und bleiben dort liegen. Denn Plastik ist extrem beständig und kann über Jahrzehnte, womöglich gar über Jahrhunderte in der Umwelt bleiben.

Dabei wissen Forscher noch wenig darüber, wie und vor allem wo die Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr ins Meer gelangen - fest steht nur, dass es sich in den meisten Fällen um unsachgemäße Entsorgung handelt.

Den Weg von Plastikmüll im Meer wollen nun Oldenburger Wissenschaftler in einem Mitmach-Projekt nachzeichnen. Am Dienstag setzten sie in Wilhelmshaven 800 sogenannte Holzdrifter auf der Nordsee aus. "Holz verhält sich ähnlich wie Plastik", sagte Katharina Stephan vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) in Wilhelmshaven, das zur Universität Oldenburg gehört. Um verschiedene Arten von Plastik zu simulieren, verwenden die Forscher Holzstücke unterschiedlicher Dicke.

Bis 2018 sollen mehrmals im Jahr solche Holzdrifter in die südliche Nordsee und deren Zuläufe gesetzt werden - insgesamt knapp 100.000. Finder sind aufgerufen, angeschwemmte Stücke zu melden. "Helfen Sie mit, die Verteilung von Meeresmüll zu erfassen! Bitte melden Sie die Nummer und den Fundort dieses Drifters an die Universität Oldenburg unter www.macroplastics.de ", ist auf den Holzstücken zu lesen. Anfang Oktober waren bereits 800 Drifter in einer stark befahrenen Schifffahrtsroute bei Helgoland ausgesetzt worden.

Mit dem Projekt sollen Quellen und Verbreitungspfade von Plastikteilen ab einer Größe von fünf Millimetern in der Deutschen Bucht und im Wattenmeer untersucht werden. Möglicherweise könne man künftig vorhersagen, wo sich besonders viel Plastik ansammelt. Nach Angaben der Uni Oldenburg gelangen weltweit geschätzt etwa zehn Prozent der jährlichen Plastikproduktion von derzeit 300 Millionen Tonnen ins Meer.

Ein großes Experiment zur Verbreitung von Plastikmüll fand bereits statt, der Startschuss war ein Unfall. Als 1992 ein Container voller Badeentchen in den Nordpazifik stürzte, konnten Forscher die Wege der Plastiktiere quer durch die Weltmeere nachzeichnen.

Eine Möglichkeit, den im Meer treibenden Müll aufzuhalten, könnten Schwimmbarrieren sein. Solche Anlagen wurden bereits vor den Azoren, vor den Niederlanden und vor Japan getestet.

joe/dpa