Mehr als 20 Jahre alt Forscher finden gut erhaltene Quarkpackung in der Tiefsee

Ein Roboter hat alten Plastikmüll aus mehr als 4000 Metern Tiefe gefischt. Der Abfall ist so gut erhalten, dass sich mithilfe von Aufdrucken sein Alter bestimmen ließ.
Quarkpackung aus der Tiefsee: Alter Markenname, fünfstellige Postleitzahl

Quarkpackung aus der Tiefsee: Alter Markenname, fünfstellige Postleitzahl

Foto: Matthias Haeckel/ dpa

Wissenschaftler haben in der Tiefsee eine rund 20 Jahre alte Quarkpackung und eine möglicherweise noch ältere Mülltüte gefunden. Beide waren trotz der Jahrzehnte im Wasser sehr gut erhalten.

Es habe sich gezeigt, "dass weder die Tüte noch die Quarkpackung Zeichen von Fragmentierung oder sogar Abbau in ihre Bestandteile aufwiesen", sagt der Biochemiker Stefan Krause vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Der Fund biete erstmals einen fundierten Anhaltspunkt über das Schicksal von Plastik auf dem Tiefseeboden.

Tauchroboter im Einsatz (2015)

Tauchroboter im Einsatz (2015)

Foto: Peter Linke/ dpa

Entdeckt worden war der Plastikmüll bereits 2015. Ein Tiefseeroboter fischte die Teile aus den Tiefen des Ostpazifik. Jetzt untersuchten die an der damaligen Expedition beteiligten Forscher die Funde genauer.

Cola-Dose zum Daviscup 1988

Bislang gibt es zum Abbau von Plastikmüll auf dem Meeresgrund in mehr als 4000 Metern Tiefe kaum Langzeitdaten, weil gefundene Kunststoffe selten konkret datiert werden können, berichten die Forscher im Fachjournal "Scientific Reports" .

Im Fall des Quarkbechers und der Mülltüte kam den Forschern der Zufall zu Hilfe: In der Mülltüte steckte eine Coca-Cola-Dose - ausgerechnet eine Sonderedition zum Daviscup 1988. Die Tüte könnte also sogar rund 30 Jahre am Meeresgrund gelegen haben.

Cola-Dose: Hergestellt um das Jahr 1988

Cola-Dose: Hergestellt um das Jahr 1988

Foto: Matthias Haeckel/ dpa

Die Quarkpackung eines deutschen Herstellers zeigte eine fünfstellige Postleitzahl, die erst 1993 eingeführt wurden. Zudem war der Hersteller 1999 aufgekauft worden, womit der Markenname verschwand.

Forscher hinterließen den Müll vermutlich im Pazifik

Das Team um Krause vermutet daher, dass deutsche Forscher den Müll zwischen 1989 und 1996 hinterlassen haben. Die Wissenschaftler hatten damals in dem Gebiet etwa 800 Kilometer vor der Küste Perus zu den Auswirkungen eines potenziellen Abbaus von Manganknollen geforscht.

Quarkpackung in mehr als 4000 Metern Wassertiefe

Quarkpackung in mehr als 4000 Metern Wassertiefe

Foto: dpa

Bei der Analyse der Kunststoffe fiel den Wissenschaftlern auch auf, dass auf den Verpackungen eine andere Mikrobengemeinschaft siedelte als am Meeresboden der Umgebung.

"Die Mikroben kommen alle im Tiefseeboden vor. Aber offenbar könnten größere Ansammlungen von Kunststoff lokal für eine Verschiebung im Verhältnis der vorherrschenden Arten sorgen", sagt Krause. Damit könne Plastikmüll auf dem Meeresboden künstliche Lebensräume schaffen und so die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gefährden.

jme/dpa
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