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21. November 2014, 12:40 Uhr

Müllvermeidung

EU-Staaten begrenzen Verbrauch von Plastiktüten

Die EU macht Ernst im Kampf gegen die Plastiktüten-Flut: Die Staaten haben sich geschlossen für die Begrenzung von Einwegtüten ausgesprochen. Sie wollen die Kunden zur Kasse bitten und erwägen sogar ein Verbot.

Brüssel - Sie werden gekauft, meist nur einmal benutzt und dann weggeworfen: Plastiktüten gehören zu den größten Umweltproblemen der Industrieländer. Jetzt ergreift die EU Gegenmaßnahmen: Die Botschafter der 28 Mitgliedstaaten haben am Freitag in Brüssel geschlossen für das Vorhaben gestimmt, den Plastiktüten-Verbrauch zu begrenzen. Damit hat der zuvor ausgehandelte Kompromiss die letzte wichtige Hürde genommen.

Die Staaten sollen nun entweder Gebühren oder Steuern auf die Beutel erheben oder konkrete Ziele zur Verminderung beschließen. Auch Verbote wären möglich. Europaweit soll der Jahresverbrauch leichter Plastiktüten schon bis 2019 um mehr als die Hälfte zurückgehen, von derzeit 200 auf 90 Tüten pro Kopf. Im Jahr 2025 sollen es dann nur noch 40 Stück sein. Alternativ könnten die Länder Plastiktüten verpflichtend mit einem Preis belegen. Das Ziel soll für jedes Land einzeln gelten.

Iren am sparsamsten, Deutschland im Mittelfeld

Es geht dabei um die ganz normale Plastiktüte, die der Verbraucher an der Kasse erhält, sei es im Supermarkt, in der Modeboutique oder im Kaufhaus. Ausgenommen sind dünnwandige Tüten, in die etwa Frischfleisch, Wurst, Fisch oder auch Obst verpackt werden. Diese Ausnahme wird vor allem damit begründet, dass ein Verbot noch schädlichere Verpackungen wie Schalen aus Schaumstoff fördern könnte. Auch extrastarke Kunststofftaschen fallen nicht unter die Regelung.

Zum Teil kosten Plastiktüten zwar heute schon geringe Centbeträge, vielerorts werden sie aber noch gratis abgegeben. Der Verbrauch ist von Land zu Land extrem unterschiedlich. Im Jahr 2010 hat laut einer Statistik des Europaparlaments jeder EU-Bürger im Durchschnitt 200 Tüten verbraucht. Am sparsamsten sind die Iren: Sie benötigen im Schnitt nur 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Die Deutschen liegen im Mittelfeld, sie benutzen im Mittel 71 Tüten, davon 64 Einwegtaschen. In Dänemark und Finnland nutzen die Menschen 79 beziehungsweise 77 Tüten, davon nur vier Einwegtaschen. Die größten Verschwender sind Polen und Portugiesen, die insgesamt fast 500 Tüten pro Kopf und Jahr verbrauchen.

Für die Umwelt ist das ein schweres Erbe. Plastiktaschen können nach Ansicht von Experten bis zu 450 Jahre fortbestehen. Kunststoff bildet nicht nur gigantische Müllteppiche auf dem Meer, sondern löst sich häufig auch in mikroskopisch kleine Teilchen auf, die dann Pflanzen und Tiere gefährden. Vögel und Fische verfangen sich in den Tüten oder fressen ungewollt ihre Reste. "In der Nordsee enthalten die Bäuche von 94 Prozent aller Vögel Plastik", heißt es in einer Information der EU-Kommission. In der Donau schwimmt mehr Plastik als Fisch, und sogar die Tiefsee ist inzwischen vermüllt.

Einige kleinere Hürden müssen die Pläne zur Plastiktüten-Begrenzung nun noch nehmen. Am Montag soll der Umweltausschuss des Europaparlaments darüber abstimmen, ein Ja wird aber erwartet. Danach steht noch die formelle Annahme durch die Minister der EU-Staaten und das Plenum des Europaparlaments an. Dies alles dürfte bis zum Frühjahr geschehen.

mbe/dpa/AFP

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