Platter Planet Warum die Erde dicker wird

Seit wenigen Jahren legt die Erde in der Äquatorregion deutlich zu. Schuld am rätselhaften Anschwellen ist, wie Forscher jetzt entdeckt haben, auch das beschleunigte Schmelzen der Gletscher.


Planet Erde: Ausgeprägtere Kürbisform
NASA

Planet Erde: Ausgeprägtere Kürbisform

Dass unsere Erde keine perfekte, sondern vielmehr eine leicht abgeplattete Kugel ist, wussten Wissenschaftler schon länger. Auf eine seltsame Wandlung wurden sie jedoch erst vor kurzem aufmerksam: Der Planet wird seit wenigen Jahren um die Mitte herum molliger, seine Kürbisform immer ausgeprägter.

Eine Erklärung für die seltsame Zunahme der Erde haben jetzt Forscher um Jean Dickey vom Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde Nasa vorgelegt. Wie das Team in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science" berichtet, trägt offenbar das Schmelzen von subpolarem Gletschereis zu dem Phänomen bei.

Vom Anschwellen am Äquator hatten Geowissenschaftler der Nasa erstmals im August in "Science" berichtet. Anhand von Satellitendaten konnten Christopher Cox und Benjamin Chao zeigen, dass die so genannte "dynamische Abplattung" der Erde etwa seit 1998 zunimmt. In den Jahren zuvor war dieser Wert beständig gesunken, was Forscher mit der Entlastung höherer Breiten seit dem Ende der Eiszeit erklärten.

Über die Gründe des plötzlichen Wandels konnten Cox und Chao nur spekulieren. Als Auslöser hatten die beiden Wissenschaftler eine Umverteilung großer Wassermassen in den Ozeanen in Verdacht. Diese könnte durch das Klimaphänomen El Niño herbeigeführt worden sein, das 1997 bis 1998 besonders kräftig ausfiel. Auch Strömungsveränderungen im flüssigen äußeren Erdkern kämen als Ursache in Frage, so die Forscher damals.

Dickey und Kollegen haben nun verschiedene Möglichkeiten am Computer durchgespielt. Einer der Hauptgründe für die Erdabplattung ist demnach das beschleunigte Abschmelzen jener Gletscher, die zwischen den Polargebieten und den gemäßigten Klimazonen liegen. Dazu kommt, so die Wissenschaftler, eine Verschiebung von Wassermassen vom Südpolarmeer in den Pazifik und den Indischen Ozean.

"Im Jahr 1998 wurde die bislang höchste durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde verzeichnet", schreiben die Autoren in "Science". Um die Veränderungen in der Massenbalance des Planeten besser zu verstehen, seien jedoch weitere Forschungen nötig. Genauere Daten könnte, so hofft das Team, die jüngst gestartete Satellitenmission "Grace" liefern, die noch geringste Veränderungen des irdischen Schwerefeldes messen soll.



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