Start von Arktis-Expedition "Polarstern" soll ein Jahr im Packeis festfrieren

Es wird eine spektakuläre Expedition: Das Forschungsschiff "Polarstern" soll im Packeis festfrieren - und ein Jahr lang mit den Schollen treiben. Wissenschaftler erhoffen sich wichtige Klimadaten.

Eisbrecher "Polarstern" auf einer Forschungsfahrt
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Eisbrecher "Polarstern" auf einer Forschungsfahrt


Das Eis der Arktis interessiert Forscher schon lange. Vor allem Klimawissenschaftler überwachen die Bewegungen der Eismassen und die Temperaturentwicklungen. Denn die Region verändert sich seit Jahrzehnten stark und hat sich von allen Erdregionen am stärksten erwärmt.

Um die Prozesse der Eisdrift besser verstehen zu können, wollen sich Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" ein Jahr lang im Packeis festfrieren lassen und durch die Zentralarktis driften. Die "Mosaic"-Expedition unter der Leitung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) gilt als eine der wichtigsten der vergangenen Jahre.

Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in der Lloyd-Werft bricht der Eisbrecher am Samstagabend in Richtung Arktis auf. In Bremerhaven wurde die "Polarstern" für die extremen Bedingungen der Expedition fit gemacht. Nun fährt das Schiff nach Tromsø in Norwegen, hier werden letzte Vorbereitungen getroffen und weitere Messgeräte installiert.

Die 140 Millionen Euro teure Expedition Richtung Norden beginnt dann am 20. September. Sie führt das Team von Norwegen entlang der sibirischen Küste Richtung Pol. Vor Ort werden Messungen im Meerwasser, im Eis und in der Atmosphäre vorgenommen.

Von Februar bis Juni ist die zentrale Arktis eigentlich per Schiff kaum zu erreichen - auch Eisbrecher scheitern dann. Die "Polarstern" soll ohne eigenen Antrieb über die Polkappe treiben - nach dem Vorbild der Reise des Norwegers Fridtjof Nansen mit dem Segelschiff "Fram" vor rund 125 Jahren.

Beim ersten und letzten Abschnitt der Reise wird das Schiff von anderen Eisbrechern mit frischen Lebensmitteln und Treibstoff versorgt. Zudem soll auf dem Eis eine Landebahn gebaut werden - später ist geplant, die "Polarstern" per Flugzeug zu versorgen und Forscher ein- und auszufliegen.

Voraussichtlich im Juni 2020 wird das Eis das Schiff wieder freigeben. Die "Polarstern" wird sich zu diesem Zeitpunkt irgendwo zwischen Grönland und Spitzbergen befinden. Dann können sich die Forscher auf die wichtigste Arbeit konzentrieren - die Auswertung der vielen Daten.

joe/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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spon-facebook-10000015195 08.08.2019
1. Respekt!
Finde ich sehr interessant und wünsche allen Forschern sowie der Polarstern gutes Gelingen.
wimjonk 08.08.2019
2.
Mit welchem Schiff wird dann im kommenden Süd-Sommer Neumayer-III in der Antarktis versorgt?
alex300 08.08.2019
3. Interessant, aber nicht neu
https://en.wikipedia.org/wiki/Georgiy_Sedov_(icebreaker) https://de.wikipedia.org/wiki/Eisdriftstation Allerdings, unter den Umständen, dass das ewige Eis schmilzt, wird Arktis zum interessanten Wirtschaftsgebiet (Rohstoffen).
nesmo 08.08.2019
4. Wieso
nimmt man nicht für ein Bruchteil des Geldes eine (oder zehn) Bojen? Um die Temperatur , Wind und Abtrieb und allerlei mehr zu messen reicht eine kleine Messtation. Man muss dann nicht eine ganze Besatzung ein halbes Jahr für 140 Millionen Euro mit Nahrung versorgen, um zu sehen, wie das Packeis sich bewegt.
marialeidenberg 08.08.2019
5. Sicher ein richtiger Gedanke, wird auch in geeigneten Umfeldern
Zitat von nesmonimmt man nicht für ein Bruchteil des Geldes eine (oder zehn) Bojen? Um die Temperatur , Wind und Abtrieb und allerlei mehr zu messen reicht eine kleine Messtation. Man muss dann nicht eine ganze Besatzung ein halbes Jahr für 140 Millionen Euro mit Nahrung versorgen, um zu sehen, wie das Packeis sich bewegt.
umgesetzt. Aber in der Polregion mit dem zu erwartenden Eisdruck wäre das eine immens kostspielige Entwicklung, resp. Bau. Der Verlust einer solchen Meßstation wäre Alltagsrisiko. Ich hoffe sehr, daß das AWI die Alternative zur POLARSTERN bedacht hat.
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