Warnrufe von Affen Greifvogel oben! Raubkatze unten!

Affen haben viele Feinde - und ein entsprechend großes Repertoire an Warnrufen. Schwarzstirn-Springaffen kreischen in unterschiedlichen Tönen, je nachdem, von wo sich Feinde nähern.

Kommunikations-Künstler: Kreischender Schwarzstirn-Springaffe
DPA/ PUC Minas/ Cristiane Cäsar

Kommunikations-Künstler: Kreischender Schwarzstirn-Springaffe


Wenn ein Feind in der Nähe ist, rufen sich Schwarzstirn-Springaffen (Callicebus nigrifrons) gegenseitig detaillierte Warnungen zu. Übersetzt klingen diese etwa so: "Achtung, oben im Baum lauert ein Greifvogel", oder: "Vorsicht, unten am Boden schleicht ein Räuber herum!" Die Affen können aus den Rufen heraushören, welche Gefahr von wo drohe, berichtet ein internationales Forscherteam in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Die Schwarzstirn-Springaffen leben in den Wäldern Brasiliens, gewöhnlich in Gruppen aus einem Elternpaar und ihrem Nachwuchs. Bei Gefahr warnen sich die Tiere mit lauten, sehr schrillen Tönen. Es war bereits bekannt, dass vor allem zwei Warnrufe eingesetzt werden: Sogenannte A-Rufe, um vor Raubvögeln zu warnen, und B-Rufe, um vor Räubern am Boden zu warnen.

Einige Forscher hatten aber nach gelegentlichen Beobachtungen bereits vermutet, dass die Rufe womöglich komplexer sind und miteinander und einem weiteren Ruf kombiniert werden.

Kombinierte Rufe

Um diese Möglichkeit genauer zu untersuchen, bedrohten die Forscher um Christiane Cäsar von der University of St. Andrews (Großbritannien) Gruppen von Schwarzstirn-Springaffen mit Attrappen von einer Tigerkatze (Leopardus tigrinus) und einem Raubvogel, einem Schopfkarakara (Caracara plancus). Sie präsentierten diese entweder in den Baumkronen oder am Boden. Die Affen reagierten darauf zuverlässig mit ihrem Warn-Gekreische.

Sahen sie einen Raubvogel in den Baumwipfeln, produzierten sie A-Rufe. Sahen sie eine Tigerkatze am Boden, B-Rufe. Interessanter war es, wenn sich die potenziellen Angreifer von ungewöhnlichen Orten näherten: Saß der Raubvogel am Boden, kombinierten die Affen A-Rufe mit B-Rufen. Sahen sie eine Tigerkatze im Baum, begannen sie die Warnung mit einem A-Ruf und wechselten dann zu B-Rufen.

Dauer und Anzahl der Rufe variierten ebenfalls mit der Art der Bedrohung. Dass in einer Botschaft zwei Informationen mitgeteilt werden - in diesem Fall wer von wo angreifen könnte - sei im Tierreich selten, schreiben die Wissenschaftler.

che/dpa



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juttakristina 04.09.2013
1. So
Es gibt auch andere Tiere, die sich derart detailliert verständigen können und je nachdem vor Räubern aus der Luft oder am Boden warnen und auch Entwarnung geben. Teils enthält der Ruf auch, ob man den Räuber selbst gesehen hat oder die Warnung eines anderen weitergibt. Und die Warnungen können teils von anderen Tierarten verstanden werden.
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