Pralles Leben Biologen finden zahlreiche neue Arten am Mekong

Asiens Mekong-Region scheint einen gewaltigen Vorrat an noch unentdeckten Tierarten zu besitzen: Innerhalb eines Jahres haben Forscher dort mehr als 140 neue Spezies entdeckt - darunter so exotische Geschöpfe wie zirpende Frösche und glatzköpfige Singvögel.

Neil Furey / WWF

Singapur - Ein Fisch mit Vampirgebiss, eine sieben Meter hohe fleischfressende Pflanze, zahlreiche Amphibien: Forscher haben im vergangenen Jahr in der Mekong-Region in Südostasien reiche Beute gemacht. Insgesamt seien 145 neue Arten entdeckt worden, schreibt die Umweltstiftung WWF in einem Report zum Auftakt der Uno-Biodiversitätskonferenz an diesem Mittwoch in Nagoya in Japan.

Darunter waren teils spektakuläre Funde wie eine sieben Meter hohe fleischfressende Pflanze und ein Fisch, der sich an Felsbrocken festsaugt, um in schnell fließenden Flüssen aufwärts schwimmen zu können. Wissenschaftler entdeckten außerdem einen glatzköpfigen Singvogel und einen Frosch, der das Zirpen von Grillen imitiert.

Die Mekong-Region gilt als eine der artenreichsten der Welt. "Das Tempo, mit dem dort neue Arten entdeckt werden, ist atemberaubend", sagte Stuart Chapman vom WWF. "Mit der Zahl der neu entdeckten Arten steigt auch unsere Verantwortung, die einzigartige Artenvielfalt in der Region zu schützen." Das Mekong-Gebiet umfasst die Länder Kambodscha, Laos, Burma, Thailand und Vietnam sowie die südliche chinesische Provinz Yunnan.

Zahlreiche der nur in der Mekong-Region lebenden Tiere und Pflanzen sind nach Angaben des WWF durch den Bau von Straßen, Dämmen und von schnell wachsenden Städten bedroht, sagte WWF-Experte Petr Obrdlik. Auch die 140 Neuentdeckungen könnten daher schon bald für immer verschwinden. So hätten in Südostasien seit 1990 jährlich 2,7 Millionen Hektar Dschungel den Monokulturen riesiger Plantagen weichen müssen, in denen Kakao, Kaffee, Tee, Cashew-Nüsse oder Kautschuk angebaut werden. Außerdem sollen rund 150 neue Wasserkraftwerke am Mekong entstehen.

Bereits heute sind laut WWF 70 Prozent der endemischen Säugetierarten aus dem Gebiet auf der Roten Liste der IUCN, darunter der Indochinesische Tiger, das Java-Nashorn oder der Asiatische Elefant. Auch das Maß der Überfischung sei besorgniserregend. "Wir können nur erahnen, wie viele Tiere und Pflanzen noch darauf warten, entdeckt zu werden", sagte Obrdlik. "Doch wir laufen Gefahr, dass zahlreiche Arten verschwinden, bevor sie überhaupt beschrieben wurden."

mbe/dpa

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