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03. März 2011, 13:23 Uhr

Programmierte Beute

Pilz macht Ameisen zu willenlosen Zombies

Eine Pilzart im brasilianischen Dschungel lockt Ameisen ins Verderben, indem sie das Verhalten ihrer Beute steuert: Sporen der Pilze wachsen in den Kopf der Insekten - die daraufhin ihrem Tod entgegenkrabbeln.

San Francisco - Manche Pilze können Ameisen völlig unter ihre Kontrolle bringen. Im brasilianischen Regenwald haben Forscher nun vier bislang unbekannte Arten dieser "Zombiepilze" entdeckt. Sie manipulieren das Verhalten von Rossameisen und töten die Insekten dort, wo die Pilze ideale Bedingungen für ihre Sporen vorfinden. Die Pilze, die im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais gefunden wurden, beschreibt ein Team um David Hughes von der Pennsylvania State University in Philadelphia im Fachjournal "PLoS ONE".

Den Wissenschaftlern zufolge gehören die Neuentdeckungen zum Komplex Ophiocordyceps unilateralis, einer Pilzart, die Ameisen befällt und zum Tode der Insekten führt. Die toten Tiere kauern meist verkrümmt auf einem Blatt und beißen dabei in eine Blattader hinein. Das Besondere der vier neuen Arten sei, dass jede auf eine eigene Rossameisen-Art spezialisiert ist, schreiben die Forscher. Dies sei exemplarisch für die Artenvielfalt dieser Region. Außerdem würden die Pilze verschiedene Sporen besitzen, um ihre Opfer mit Sicherheit zu infizieren.

Ein Überfallskommando von Ameisen

Frühere Studien haben bereits gezeigt, wie und warum Ophiocordyceps unilateralis Ameisen attackieren: Ihre Sporen setzen sich auf dem sogenannten Exoskelett der Tiere ab, anschließend wächst dem Insekt ein Pilzfaden in den Kopf und "programmiert" es um. Von ihrem Nest in den Bauwipfeln wandeln die Ameisen dann willenlos in die Tiefe. Über dem Boden herrschen eine hohe Luftfeuchtigkeit und fast gleichbleibende Temperaturen - ideale Lebensbedingungen für den Pilz. Dieser bildet am Ende seines Wachstums einen Fruchtkörper mit Sporen, die wieder neue Ameisen befallen können.

Kürzlich hatte eine Langzeitstudie gezeigt, wie Ameisen ihrerseits als gefürchtete Jäger Regenwälder durchstreifen - zu Zehntausenden krabbeln sie in das Unterholz und fressen fast alles, was ihnen zwischen die Kiefer kommt: Erst ist es nur ein fernes Rauschen, das im Regenwald ertönt, dann kommt das Geräusch langsam näher und versetzt Vögel und Insekten gleichermaßen in Aufruhr. Verursacht wird es von unzähligen Beinchen auf dem trockenen Waldboden: Treiber-Ameisen der Art Eciton burchellii sind auf Raubzug.

boj/dpa

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