Pterosaurier Luftgefüllte Knochen ließen Urzeitriesen fliegen

Giganten-Flug entschlüsselt: Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass luftgefüllte Knochen den riesigen Pterosauriern beim Schweben durch die Luft halfen. Sie setzten damit 70 Millionen Jahre vor den Vögeln auf einen ganz ähnlichen Trick.


Worcester - Sie waren Zeitgenossen legendärer Dinosaurier wie des Tyrannosaurus rex, doch vor allem waren sie die größten flugfähigen Tiere, die jemals gelebt haben: die Pterosaurier. Wie und warum die Giganten überhaupt flogen, diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon seit einiger Zeit.

Der Japaner Katsufumi Sato von der Universität in Tokio bezweifelte im vergangenen Herbst, dass sich die Flugsaurier überhaupt in die Luft erheben konnten. Er stellte die umstrittene These auf, die Tiere seien dafür viel zu schwer gewesen. Der US-Anatom Michael Habib von der Johns Hopkins University in Baltimore hat am Flug der Pterosaurier hingegen keine Zweifel. Doch er sorgte mit einer Theorie für Aufsehen, die Tiere hätten sich auf vier Beinen wie Giraffen bewegt und sich mit einem kräftigen Sprung in die Luft erhoben.

Doch wie ging es dann weiter? Wie hielten sich die Tiere mit einer Flügelspannweite von bis zu 12 Metern in der Luft? Forscher um Leon Claessens vom College of the Holy Cross in Worcester im US-Bundesstaat Massachusetts haben dafür nun eine interessante Erklärung vorgelegt. Im Online-Magazin "PLoS One" berichten sie, massive Luftsäcke hätten den Sauriern dabei geholfen, sich im Flug zu halten.

In den Knochen der Tiere habe es große durchgängige Hohlräume gegeben. Sie hätten sich bis in die Spitzen der Flügel erstreckt - und die Dichte im Körper entscheidend gesenkt. Außerdem habe sich auf diese Weise eine sehr effiziente Sauerstoffversorgung herausgebildet. Bereits 70 Millionen Jahre vor der Entwicklung der Vögel hätten die fliegenden Saurier damit über eine vergleichbare Anatomie verfügt.

Für ihre Untersuchungen mussten sich die Wissenschaftler mit einem Trick behelfen: Weil die Weichteile in den Saurierfossilien die Jahrmillionen nicht überlebt hatten, studierten sie unter anderem noch lebende Tiere. Unter dem Röntgengerät und im Computertomographen sahen sich die Wissenschaftler an, wie die Luftversorgung von Vögeln und Krokodilen funktioniert - und welche Rolle das Skelett bei der Atmung spielt. Außerdem untersuchten sie, wie das Vorhandensein von Luftsäcken die Knochenstruktur verändert.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Forscher von der Entdeckung eines Sauriers mit großen Luftsäcken im Körper berichtet. Bei dem in der argentinischen Provinz Mendoza gefundenen Tier, das vor 85 Millionen Jahren lebte, seien klare Anzeichen von luftigen Knochen gefunden worden, erklärte ein Team um Paul Sereno von der University of Chicago. Die Forscher hatten drei verschiedene Hypothesen für die Funktion der Luftkanäle präsentiert. Sie könnten die Lunge effizienter gemacht oder das Gewicht des Oberkörpers der auf zwei Beinen laufenden Tiere reduziert haben. Oder aber die Luftschläuche hätten dazu gedient, die Körpertemperatur des kräftigen Tieres zu regulieren, da es nicht über Schweißdrüsen verfügte.

chs



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