Puma in Patagonien Lebensretter für den Andenkondor

Der Abschuss von Pumas sollte überdacht werden: Die Großkatzen leisten einen wertvollen Beitrag für ihr Revier, sagen Forscher. Die Beutereste der Jäger sichern das Überleben seltener Vögel. So kann der Andenkondor stärker vom Puma profitieren als vom Wolf.
Puma auf der Pirsch (Archivbild): Effektiver Fleischlieferant für zahlreiche Nutznießer

Puma auf der Pirsch (Archivbild): Effektiver Fleischlieferant für zahlreiche Nutznießer

Foto: Corbis

Hamburg - Mit den Resten ihrer Beute sichern Pumas das Überleben seltener Vögel. In Patagonien ließen die Großkatzen im Mittel auf 100 Quadratkilometern monatlich rund 230 Kilogramm Fleischreste übrig, berichten amerikanische Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society . Dies komme dem regional sehr selten gewordenen Andenkondor und anderen Aasfressern zugute.

Dieser wichtige positive Aspekt auf das Ökosystem werde bei der Bewertung der Großkatzen nicht ausreichend berücksichtigt, mahnen Lawrence Mark Elbroch und Heiko Wittmer von der University of California in Davis. Oft werde lediglich argumentiert, mit dem Abschuss von Pumas ließe sich die Zahl gefährdeter Beutetiere erhöhen. Auch die Sicherheit von Mensch und Vieh werde ins Spiel gebracht.

Die Wissenschaftler hatten in Zentralpatagonien (Chile) Pumas mit Hunden auf Felsen oder Bäume getrieben, betäubt und dann neun der Tiere mit einem GPS-Sender-Halsband ausgestattet. Alle zwei Stunden wurde der Standort der Katzen aufgezeichnet, 45 bis 421 Tage lang. Zudem wurde die Beute der Tiere erfasst. Dabei legten die Forscher bestimmte Basiswerte fest: Sie gingen davon aus, dass bei Huftieren 68 Prozent des Körpers "fressbar" sind, bei kleineren Wirbeltieren 95 Prozent.

Sechs Beutetiere im Monat

Zudem wurde aus dem täglichen Fleischkonsum der Großkatzen in Gefangenschaft und der Zeit, in der sich die neun freilebenden Pumas bei ihrer Beute aufhielten, ein Schätzwert für deren Mahlzeiten errechnet. Für die ersten 24 Stunden wurde ein Mittelwert von 6,8 Kilogramm, für die Tage danach ein Wert von 4,1 Kilogramm angenommen. Bei Puma-Weibchen mit Jungtieren addierten die Forscher noch einen altersabhängigen Betrag für die Kätzchen.

Jeder Puma schnappte sich im Schnitt gut sechs Beutetiere im Monat. Insgesamt wurden 350 getötete Huftiere und 83 erbeutete kleinere Wirbeltiere erfasst. Mit einem Computerprogramm errechneten die Wissenschaftler, wie viel davon die Pumas selbst fraßen oder Aasfressern übrig ließen. Welche "Nutznießer" sich an den Rissen tummelten, wurde von Helfern direkt beobachtet, mit Kameras aufgezeichnet oder anhand der Spuren am Riss nachvollzogen.

An 43 Prozent der erbeuteten Huftiere fanden sich demnach Andenkondore ein, zudem wurden elf weitere aasfressende Wirbeltiere erfasst - wie Rabengeier, Andenschakal, Patagonischer Skunk und Schopfkarakara. Für das 1100 Quadratkilometer umfassende Gebiet kamen die Forscher auf 2553 Kilogramm monatliche "Fleischlieferung" an die Aasfresser der Region. Und dies sei noch eine vorsichtige Annahme, da die Beute "durchreisender" Pumas nicht mit erfasst worden sei.

Mit den 232 Kilo je 100 Quadratkilometer lägen die Großkatzen um mehr als das Dreifache über dem für Wölfe im Yellostone National Park in den USA berechneten Wert - obwohl deren Populationsdichte viel höher sei. Einem Wolfsrudel falle es leichter als einem einzelgängerischen Puma, ein Beutetier sofort komplett aufzufressen. Zudem mieden die Katzen Konflikte mit diebischen Aasfressern eher als der Wolf, schreiben Elbroch und Wittmer. Der resultierende Nutzwert der Pumas für viele Aasfresser werde von Behörden und Entscheidern noch viel zu wenig berücksichtigt.

nik/dpa

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