Queen betrogen Seefahrer gaukelte Goldfunde vor

Der englische Entdecker Martin Frobisher (1535 bis 1594) war ein Schwindler. Das glauben zumindest kanadische Wissenschaftler. Der Seefahrer hatte Goldfunde in Kanada vorgetäuscht, um von der britischen Königin reichlich Geld für neue Expeditionen zu kassieren.

Zu seiner ersten Expedition in die Neue Welt war Frobisher im Jahr 1576 aufgebrochen. Ziel war die Entdeckung einer nördlichen Seeverbindung vom Atlantik zum Pazifik, der so genannten Nordwest-Passage. Doch der Entdecker gelangte nur in eine weite Bucht vor Kanada, der später nach ihm benannten Frobisher Bay. Von dieser ersten Expedition brachte er einige Brocken schweren, schwarzen Gesteins nach England zurück, von denen es hieß, sie enthielten Gold.

In Wirklichkeit war das Edelmetall jedoch erst in London in die untersuchten Gesteinsproben gemischt worden, vermuten Georges Beaudoin und Réginald Auger von der Université Laval in Quebec.

Die Nachricht von dem Goldfund in der Neuen Welt machte im England des 16. Jahrhunderts schnell die Runde. So konnte Frobisher, von Queen Elizabeth I üppig mit Schiffen und Material ausgestattet, 1577 zu einer zweiten Expedition aufbrechen. Von dieser Reise in den kanadisch-arktischen Archipel brachte er viele Tonnen vermeintliches Gold-Erz nach England. Das festigte seinen Ruf so weit, dass er sich ein Jahr später mit insgesamt 15 Schiffen auf den Weg in die Neue Welt machen konnte. Auch von dieser Expedition brachte er große Mengen Gestein mit, die sich später als völlig wertlos herausstellten.

"Das müssen die Chemiker vor Ort damals schon gewusst haben", glaubt Réginald Auger. Mit seinem Forscherkollegen Georges Beaudoin hat der Archäologe die Analyseverfahren unter die Lupe genommen, mit der damals das Gestein auf einen möglichen Goldgehalt untersucht wurde. Bisher vermuteten Wissenschaftler, bei der ersten Prüfung des Gesteins durch Frobisher an der kanadischen Küste seien versehentlich Spuren von Gold in die Proben gelangt, so dass die Gerüchte um den vermeintlich enormen Wert des Erzes eine glaubhafte Bestätigung erhielten. Bei diesen Prüfverfahren wird Blei verwendet, das häufig mit Spuren von Gold und Silber verunreinigt ist, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Canadian Journal of Earth Sciences" (Bd. 41, Nr. 6).

Fünf solcher Bleiklumpen hatten Auger und seine Kollegen bei Ausgrabungen an Frobishers vermeintlicher Goldmine auf der Insel Kodlunarn gefunden. Sie enthielten jedoch nicht einmal Spuren von Gold, wie Beaudoin und Auger nun nachwiesen. "Es muss sich also um einen Betrug handeln", schlussfolgert Auger. Wahrscheinlich hätten die Prüfer das Gold bei der Analyse der Gesteinsproben in London hinzugefügt - im Auftrag Frobishers oder aus anderen Gründen.