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Raubwanzen auf der Jagd: Im feindlichen Netz

Foto: Fernando Soley/ Macquarie University

Duell um Leben und Tod Mit diesen Tricks jagen Raubwanzen Spinnen

Im direkten Duell mit Zitterspinnen haben Giraffen-Raubwanzen kaum Chancen. Da hilft nur Anschleichen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn der Gegner verfügt über ein feines Frühwarnsystem - sein Netz.

Fressen oder gefressen werden? Über diese Urfrage der Tierwelt entscheiden manchmal nur Kleinigkeiten. Giraffen-Raubwanzen (Stenolemus giraffa) jagen Zitterspinnen der Gattung Trichocyclus, die Zitterspinnen jagen die Raubwanzen: Beide Arten leben in Australien, beide können einander töten.

Die Raubwanzen sind dabei auf den Überraschungseffekt angewiesen. Denn wenn die Spinne merkt, dass sich ein Jäger nähert, geht sie zum Gegenangriff über. Dabei hilft ihr ein Netz, das sie dreidimensional durch kleine Höhlen spinnt und das auf kleinste Erschütterungen reagiert.

Raubwanzen müssen dieses Frühwarnsystem wie alle Spinnen-Jäger umgehen, wenn sie die Spinnen an ihrem Ruheplatz in der Mitte des Netzes überraschen wollen. Dafür haben sie eine ausgeklügelte Strategie entwickelt, wie Forscher um Fernando Soley von der Universität Sydney im Fachblatt "Royal Society"  berichten.

Der Trick der Raubwanzen

Die Wissenschaftler ließen Raubwanzen 152-mal auf künstliche Spinnennetze los und beobachteten sie dabei. Das Problem der Wanzen: Sie können die Spinnen nicht wie Libellen aus der Luft angreifen, denn ihre Flügel sind verkümmert. Auch können sie sich nicht wie Spinnen jagende Spinnenarten auf ihre Opfer abseilen - Wanzen haben keine Spinndrüsen für Fäden. Zu Fuß kommen sie auch nicht durch die Netze der Zitterspinnen - sie sind mit ihren zwei Zentimeter Körperlänge zu groß, um zwischen einzelnen Fäden hindurchzugehen.

Bleibt nur eine Möglichkeit: Die Raubwanzen müssen einzelne Fäden des Spinnennetzes zerstören. Das löst gewaltige Schwingungen im Netz aus - normalerweise. Doch die Wanzen wissen das zu verhindern.

Sie teilen die Spinnenfäden und halten beide Enden mit ihren Vorderbeinen mehrere Sekunden fest, manchmal sogar mehr als eine Minute lang, berichten die Forscher. Dann lassen die Wanzen die Enden ganz vorsichtig fallen, das Netz gerät kaum in Schwingung. Die meisten Wanzen warten damit, bis das Netz gleichzeitig durch einen Windstoß in leichter Bewegung ist.

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Lähmender Speichel

In dem Moment sind die Spinnen abgelenkt - und merken nicht, wie sich die Jäger Faden um Faden nähern. Wenn die Raubwanzen nahe genug herangekommen sind, jagen sie ihre Stechrüssel in die Beute und spritzen lähmenden Speichel in diese - die Überraschungsattacke ist geglückt, das Duell gewonnen.

Allerdings gelingt das nicht immer: In der Studie versuchten die Wanzen in 93 Prozent der Fälle, die Spinnenfäden festzuhalten. Einige Male entglitt ihnen dabei jedoch eines der Fadenenden und setzte das Netz in Bewegung - in der Wildbahn hätte sie das ihr Leben kosten können.

Zitterspinnen erlegen ihre Beute auch aus etwas Entfernung. Dazu werfen sie Klebefäden. Die Fäden fesseln die Wanzen und machen sie zu leichter Beute für den lähmenden Biss.

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