Reaktionen auf Klimakonferenz US-Regierung hat "ernsthafte Bedenken"

Kaum haben sich die Delegationen auf einen Klima-Kompromiss geeinigt, kommt Kritik aus dem Weißen Haus: Die Entwicklungsländer würden bei der Verringerung von Treibhausgas-Emissionen zu sehr geschont, hieß es. Alle Reaktionen auf das Bali-Ergebnis im Überblick.


US-Regierung: Auch Entwicklungsländer müssen handeln

Ungeachtet der Zustimmung der US-Delegation zu den Beschlüssen hat sich die Regierung in Washington unzufrieden mit dem vereinbarten Kompromiss gezeigt. Die Übereinkunft berücksichtige nicht ausreichend die Rolle der Entwicklungsländer, sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Die USA hätten diesbezüglich "ernsthafte Bedenken". Eine Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen könne nicht nur von den Industriestaaten verlangt werden. Die wichtigsten Entwicklungsländer müssten ebenfalls entsprechend handeln, erklärte die Sprecherin von Präsident George W. Bush. Der Kompromiss sei dennoch ein entscheidender erster Schritt mit vielen positiven Merkmalen, sagte Perino weiter.

Abschluss der Klimakonferenz: Das Ergebnis ist umstritten
REUTERS

Abschluss der Klimakonferenz: Das Ergebnis ist umstritten

Bundesumweltminister Gabriel: Besser als erwartet

Sigmar Gabriel sieht in dem Ergebnis von Bali einen großen Fortschritt. Es sei in mühsamen Verhandlungen gelungen, einen tragfähigen Kompromiss mit "substanziellen Festlegungen" zu erreichen. "Das Ergebnis ist weniger als Deutschland und die EU sich gewünscht hätten. Aber es ist weitaus besser, als angesichts der schwierigen Ausgangslage und der unterschiedlichen Interessen zu erwarten war", betonte Gabriel.

Das Signal von Bali laute, dass die Staatengemeinschaft entschlossen sei, innerhalb von zwei Jahren ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll zu erarbeiten. Zudem hätten neben den Industrieländern auch die Entwicklungsländer deutlich gemacht, dass sie ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz verstärken wollten. Dies sei angesichts festgefahrener vorheriger Klimagipfel ein großer Fortschritt.

Uno-Klimachef De Boer: Hervorragend

Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, äußerte sich hochzufrieden über das Ergebnis der Weltklimakonferenz auf Bali. "Ein hervorragendes Ergebnis", sagte der Niederländer in Nusa Dua. Als größten Meilenstein bezeichnete de Boer eine Annäherung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf Bali. "Die Berliner Mauer zwischen den Ländern des Nordens und des Südens ist gefallen", sagte de Boer. Bislang sei bei Klimakonferenzen immer von Industrieländern (Annex-1-Staaten) auf der einen Seite und dem Rest der Welt auf der anderen Seite gesprochen worden. "Jetzt sprechen wir von entwickelten und Entwicklungsländern - das wird im Laufe der Zeit die Dynamik der Verhandlungen ändern", sagte de Boer. Dadurch sei es möglich, Länder wie Singapur, Südkorea und Mexiko in neuem Licht zu sehen. Diese Länder hätten eine sehr viel höhere Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung als manches Land, dass unter dem Kyoto-Protokoll noch unter "Industrieländern" aufgeführt sei.

Uno-Generalsekretär Ban: Danke, USA

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte die Einigung bei der Weltklimakonferenz. "Dies ist der entscheidende Moment für mich und meine Arbeit als Generalsekretär der Uno." Er sei "ermutigt vom Geist der Flexibilität, den die USA und andere wichtige Delegationen" gezeigt hätten und er sei dankbar dafür. Als die Verhandlungen zwischenzeitlich in der Sackgasse steckten, hatte er dringend an die Unterhändler appelliert, ihre Differenzen beizulegen. Die Welt warte auf einen Durchbruch, sagte Ban. "Ganz ehrlich, ich bin enttäuscht über das Niveau des Fortschritts, der hier gemacht wurde." Jeder müsse bereit sein zum Kompromiss.

EU-Delegationschef Rosa: Wir sind sehr zufrieden

Der Vorsitzende der EU-Delegation, Humberto Rosa, sagte, die Europäische Union habe ihre Ziele auf der Konferenz erreicht. "Das war genau, was wir wollten. Wir sind sehr zufrieden."

Klima-Experte Schellnhuber: Mehr war nicht drin

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, spricht von einem "Arbeitserfolg". "Es war wohl das Maximum, das man erreichen konnte", sagte er SPIEGEL ONLINE. Dennoch bewertet er die Konferenz als Erfolg. Wichtiger als konkrete Ziele sei, dass der politische Prozess nicht zum Stillstand gekommen ist: "Es gibt ein Mandat, eine Roadmap - es geht weiter." Ein Durchbruch sei, dass sich die Kyoto-Staaten auf konkrete Reduktionsziele haben einigen können. Schellnhuber läge ein Abschlusspapier der Kyoto-Unterzeichner-Staaten vor, in dem alle ursprünglich angestrebten Reduktionsziele enthalten sind. Bemerkenswert sei, dass sich damit auch Japan und Russland - obwohl sie zuvor einen Blockadekurs verfolgt hatten - nun zu den Klimaschutz-Zielen der europäischen Staaten bekannt hätten.

CSU-Chef Huber: Für den Moment ein Fortschritt

CSU-Chef Erwin Huber hat den Kompromiss der Weltklimakonferenz auf Bali als "Schritt nach vorne" gewürdigt, aber weiter entschiedenes Handeln angemahnt. "Das ist für den Moment ein Fortschritt", sagte Huber am Samstag. "Es ist ja positiv, wenn 180 Staaten der Welt etwas unternehmen wollen." Die Klimaproblematik löse dies aber "natürlich noch nicht". So werde man beispielsweise mit allen politischen und diplomatischen Mitteln auf die USA einwirken, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Amerika als wirtschaftliche Weltmacht müsse den Ehrgeiz entwickeln, hier eine führende Rolle zu übernehmen, verlangte Huber.

Grüne Kuhn und Höhn: Konferenz ist gescheitert

Die Mitglieder der Grünen-Fraktion Fritz Kuhn und Bärbel Höhn sind von dem Klimagipfel enttäuscht. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn kritisierte das Ergebnis als "sehr negativ und in manchen Aspekten peinlich". Das einzig Positive an der in der Nacht zum Samstag beschlossenen "Roadmap" sei das Verhandlungsmandat für ein neues, weltweites Klimaabkommen, sagte Kuhn.

Nach Ansicht der Vize-Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, ist die Klimakonferenz gescheitert. Auch wenn sich die Länder auf das ausgehandelte Dokument einigen würden, wäre dies ein Rückschritt, sagte sie. An vielen Punkten sei man bereits weiter gewesen.

Greenpeace: Drastische Kehrtwende der USA

Bill Hare von Greenpeace International sagte: "Ich habe noch niemals vorher solch eine Kehrtwende in einer Umweltkonferenz gesehen. Es zeigt sehr deutlich, dass die USA sich der Realität des Klimawandels nicht mehr länger entziehen können."

BUND: Kompromiss reicht nicht

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte: "Der Kompromiss der Abschlusserklärung reicht nicht gegen die großen Bedrohungen durch den Klimawandel." Die Bundesregierung dürfe deshalb ihre Vorreiterrolle auf keinen Fall aufgeben und müsse ungeachtet des Ergebnisses die deutschen Emissionen um 40 Prozent reduzieren, sagte Geschäftsführer Gerhard Timm.

WWF: USA waren Klotz am Bein

Für den WWF Deutschland erklärte Regine Günther: "Der Gipfel hat gezeigt, dass die Kluft zwischen Wissen und tatsächlichem Handeln in der Klimapolitik noch immer groß ist. Die internationale Staatengemeinschaft hatte bis zur letzten Minute die USA als Klotz am Bein, deshalb ist man leider nicht weitergekommen."

Hillary Clinton fordert Kyoto-Nachfolgeprotokoll

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton kritisierte in einer Erklärung das Verhalten der US-Delegation auf Bali. Erneut habe die Regierung des amtierenden Präsidenten George W. Bush versucht, "den Fortschritt abzublocken". Jedoch habe die US-Delegation dem "Gewicht des wissenschaftlichen und politischen Konsenses" letztlich nicht standhalten können, sagte Clinton. Wenn sie zur Nachfolgerin Bushs gewählt werde, werde sie "sofort den Prozess zur Aushandlung eines Kyoto-Nachfolgeprotokolls anführen". Sie sei bereit, so schnell wie möglich mit den Vertretern anderer Länder darüber zu beraten, "wenn nötig alle drei Monate", fügte Clinton hinzu.

reh/lub/ddp/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 240 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hawieldt 15.12.2007
1.
zufriedenstellend ist doch nur die Tatsache, das wie immer Niemand am Ende als Buhmann da stehen möchte . Aber das war es auch schon . Die Frage ob Europa über den Tisch gezogen wurde .... kann ich nicht beantworten ,da ich der Ansicht bin , das die Natur Alle über den Tisch zieht . Was nutzt eine Reduzierung des CO2 Ausstosses ,wenn die Natur ihre Methangase aus dem Methaneis frei lässt . Soviel CO2 können Alle nicht reduzieren um den Methangasausstoss der Natur zu kompensieren . Ob das nun auch eine Folge der menschengemachten Erderwärmung ist wage ich als Ganzes zu bezweifeln . Ich denke das natürliche Zyklen auch eine gewichtige Rolle spielen . Für mich steht als Ergebnis der Balikonferenz fest, das sich wir Menschen klar werden müssen ,im Sinne für den Menschen ,nun wirklich gegen die Natur agieren zu müssen .Nur wie ? Beides aber vermögen wir nicht ,wie auch nicht im Einzelnen .
Hador, 15.12.2007
2. Zufriedenstellend?
Wie kann ein Ergebnis bei dem die einzige Zahl zur CO2 Reduzierung in irgendeiner Fußnote des Vorwortes auftaucht zufriedenstellend sein? Die Konferenz war, wie so oft, eine Farce und die Abschlusserklärung macht es nicht besser. Die Herren und Damen Politiker können nun nachhause fahren und jeder kann behaupten er habe bis zum Umfallen für die eigenen Überzeugungen gekämpft. Währenddessen steigen die Emissionen weiter, der Energieverbraucht wächst und die Temperatur gleich mit. Super Sache..... Aber davon abgesehen: Selbst WENN eine feste Zielvorgabe in diesem Dokument enthalten gewesen wäre, sie wäre das Papier nicht wert gewesen auf dem sie steht. Das sieht man sehr schön am Kyoto-Protokoll: Kaum ein Land arbeitet gezielt auf diese Vorgaben hin. Zwar erreichen einige Länder ihre Vorgaben, dies sind jedoch fast nur Länder des ehemaligen Ostblocks in denen ein Großteil der alten Industrie zusammengebrochen ist und die Emissionen deshalb gesunken sind. Deutschland erreicht trotz des Wegfalls ehemaliger DDR Industrieanlagen seine Vorgabe nicht und andere westliche Industrienationen liegen teilweise um mehrere 10% ÜBER den damaligen Emissionswerten. Fazit: Papier ist geduldig, nur ist das Weltklima es auch?
filou11 15.12.2007
3.
Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Hador, 15.12.2007
4.
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
An was denn halten? Es gibt ja, wieder mal, keine Zielvorgabe sondern nur eine Fußnote. Und die Europäer sind auch nur Weltmeister im Reden, schaut man sich aber mal die CO2 Emissions Entwicklung in der EU an, dann steigt auch hier in fast allen Ländern die Emission und sinkt nur dort wo alte Industriezweige kaputt gehen. Von gezieltem Klimaschutz keine Spur. Sieht man ja auch in Deutschland: Merkel tönt erst groß rum mit wer weiss wieviel Reduktion der CO2 Emissionen und dann verwässert sie eigenhändig eine EU Richtlinie, die dazu führen würde, dass die deutschen Autobauer mehr spritsparende Autos bauen müssten. Wenn nicht in den neuen Bundesländern fast die gesamte Industrie zusammengebrochen wäre, dann hätte Deutschland bis heute wohl keinen einzigen Prozentpunkt seiner CO2 Emissionen reduziert.
chirin 15.12.2007
5. Bali - ein befriedigendes Ergebnis?
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Antwort: Sie sagen es! Ein Ergebnis gibt es , aber nur hinsichtlich der Verseuchung durch die Flugzeuge mit denen dieser Wanderzirkus unterwegs ist. Überdies ist in Deutschland auch viel zu viel Land "begradigt" und abgeholzt worden, so dass hier ein großer Teil des Landes auch austrocknet, da sich kein Tau mehr bilden kann. Wasser und Bäume sorgen erheblich mehr für gutes Klima, als die albernen Verbote von Kfz. ´in den Innenstädten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.