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29. Oktober 2013, 12:31 Uhr

Rechtzeitig gebremst

Bienen, die auf Blüten landen

Exakt zu landen, ist nicht nur in der Fliegerei knifflig. Schon die Natur musste das Problem lösen. Forscher haben nun herausgefunden, wie Bienen das Manöver auch auf senkrechten Flächen meistern.

Die Landung ist der schwierigste Moment des Flugs. Die Honigbiene muss ihre Geschwindigkeit langsam reduzieren, bis sie kurz vor der Blüte fast in der Luft steht, um sanft aufzusetzen. Wie es der Biene gelingt, auf senkrechten Oberflächen zu landen, berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Bekannt war die Technik der Insekten bei waagerechten Oberflächen: Bienen nutzen den optischen Fluss - die scheinbare Bewegung von Blumen und anderen Objekten im Vorbeiflug, um Abstände und Wegstrecken zu schätzen. Je schneller die Umwelt an der fliegenden Biene vorbeizieht, desto weiter ist die Strecke, die sie in ihrer Wahrnehmung zurücklegt.

Auf waagerechten Flächen können die Insekten also deshalb landen, weil sie anhand der wahrgenommenen Bewegung der Landschaft die Fluggeschwindigkeit berechnen und entsprechend bremsen und gleichzeitig die Flughöhe reduzieren. So wissen sie genau, wann sie auf der Pflanze ankommen.

Bei senkrechten Flächen aber gestaltet sich der Prozess komplizierter. "Die Strategie des optischen Flusses ist für fliegende Insekten in der Senkrechte nicht mehr geeignet", sagen die Forscher um Emily Baird von der Universität im schwedischen Lund. Die Wissenschaftler folgerten, dass noch ein anderer Mechanismus dahinter stecken muss, mit dem sich Bienen sternförmig in alle Richtungen orientieren, und so auf jeder Oberfläche landen können.

Die Forscher studierten die Flugbahn von Insekten, die auf Scheiben mit rotierenden spiralförmigen Mustern landeten. So simulierten sie die Bewegung am Landeplatz. Das Ergebnis: Je näher das Ziel kam, desto langsamer wurden die Bienen. Grund dafür ist, dass die rotierende Scheibe immer größer erschien, je näher das Insekt darauf zuflog.

Die Biene nimmt somit eine optische Ausdehnung in ihrem Sichtfeld wahr. Je näher sie dem Ziel ist, desto schneller vergrößert es sich vor ihren Augen. Um diese Veränderung so gering wie möglich zu halten und auch sanft zu landen, leitet die Biene den Landeanflug ein, sie wird also langsamer, bis sie auf der Pflanze oder Blüte landen kann. Aus dieser Beobachtung entwickelten die Wissenschaftler eine mathematische Gleichung.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass es für eine sanfte Landung weder Wissen über die Distanz zum Landepunkt, noch über die eigene Geschwindigkeit braucht. "Diese Strategie der Landung gilt nicht nur für vertikale Flächen und auch nicht nur für Bienen. Sie hat für alle fliegenden Lebewesen und auch für Flugzeuge und Flugroboter Bedeutung", heißt es in der Studie.

kbl

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