Reformkommission Experten drängen auf Umbau des Weltklimarats

Konsequenz aus der Krise: Experten empfehlen einen Umbau des Uno-Klimarats IPCC. Sie üben teils deutliche Kritik an der Arbeit des Gremiums. Sowohl in der Führung als auch bei der wissenschaftlichen Arbeit des Klimarats seien Reformen notwendig.
Treibhausgase: Warnungen vor einer Erwärmung bleiben bestehen

Treibhausgase: Warnungen vor einer Erwärmung bleiben bestehen

Foto: MICK TSIKAS/ REUTERS

New York - Kaum ein wissenschaftlicher Bericht hatte je solch einen Einfluss wie der Uno-Klimareport. Er wird alle paar Jahre veröffentlicht vom Uno-Klimarat, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). 2007 gab es für die Arbeit den Friedensnobelpreis. Doch dann tauchten Fehler im Klimabericht auf, und der IPCC geriet in eine schwere Vertrauenskrise. Manche Wissenschaftler hatten den Rücktritt von IPCC-Chef Pachauri gefordert.

Nun fordert eine von der Uno eingesetzte zwölfköpfige Expertenkommission eine "fundamentale Reform" des IPCC. Der InterAcademy Council (IAC), ein Zusammenschluss von 15 Präsidenten nationaler Wissenschaftsakademien oder gleichrangiger Organisationen, hat zahlreiche Vorschläge für eine Reform des Klimarats ausgearbeitet . Die wichtigsten Empfehlungen:

  • Änderungen an der Führung: Die Amtszeit des Vorsitzenden solle verkürzt werden; das bisherige Maximum von zwei Amtszeiten zu je sechs Jahren sei zu lang, konstatieren die Experten. Zudem müssten Mitglieder der IPCC-Führung besser auf mögliche Interessenkonflikte geprüft werden. Dem gegenwärtigen IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri waren Interessenkonflikte vorgeworfen worden, weil er neben seinem Teilzeitamt beim Klimarat Geschäftskontakte im Umweltbereich pflegte. Pachauri erklärte nach Vorlage des Berichts jedoch, er wolle sein Amt trotz der deutlichen Kritik zunächst behalten. Die Mitgliedstaaten des IPCC sollten über seinen weiteren Verbleib entscheiden.
  • Bessere Außendarstellung: Ein "Leistungsteam" soll eingerichtet werden, das auch außerhalb der Plenarsitzungen, die nur einmal im Jahr stattfinden, für den Weltklimarat sprechen könnte. Außerdem wird empfohlen, die Struktur des Sekretariats in Genf durch den Einsatz eines leitenden Direktors aufzuwerten.
  • Bessere Kommunikation: Es bedürfe einer neuen "Kommunikationsstrategie" für den IPCC. So könnte Krisen "schneller und durchdachter" begegnet werden. Es müsse dabei besser als bisher geklärt werden, wer und wie im Namen des IPCC sprechen dürfe. Leute von außerhalb der Klimawissenschaften sollten verstärkt eingebunden werden.
  • Größere Bandbreite wissenschaftlicher Fakten: In ihrem Gutachten empfehlen die Experten strengere Richtlinien für den Umgang mit Daten zum Klimawandel. Die Begutachtung der Studien sei zwar im wesentlichen "fundiert". Es solle aber besser dokumentiert werden, dass tatsächlich die "ganze Breite" wissenschaftlicher Sichtweisen berücksichtigt werde. Vermehrt sollten abweichende wissenschaftliche Ansichten dargestellt werden. Zudem bedürfe es genauer Richtlinien für den Umgang mit sogenannter Grauer Literatur, also Quellen, die nicht wissenschaftlich begutachtet wurden. Ganz auf Graue Literatur zu verzichten, sei aber nicht empfehlenswert - schließlich seien solche Daten oft relevant.
  • Unsicherheiten hervorheben: Die Unsicherheiten der Forschungsergebnisse müssten sorgfältiger und anhand einheitlicher Maßstäbe dargestellt werden. Bislang würden dafür unterschiedliche Methoden verwendet. Mitunter würden Aussagen mit "hoher Sicherheit" getroffen, für die es "kaum Beweise" gebe.
  • Flexiblere Klimaberichte: Zu überdenken sei, ob die drei Berichte des IPCC tatsächlich im selben Jahr erscheinen müssten, bemerkt die Untersuchungskommission. Besser wäre womöglich, wenn etwa der Bericht über die ökonomischen Folgen später erscheine, um sich besser auf den Bericht über die physikalischen Grundlagen des Klimawandels beziehen zu können. Zudem sollten kleinere IPCC-Berichte veröffentlicht werden, um genauer auf die Beratungsbedürfnisse einzelner Staaten einzugehen.

IAC-Chef Harold Shapiro betonte bei einer Pressekonferenz am Uno-Hauptsitz in New York, dass sein Gutachterausschuss "nicht versucht hat, die wissenschaftlichen Hintergründe der Klimaberichte zu beurteilen". In ihrem Gutachten unterstreichen die Experten gleichwohl, dass die Arbeit des Gremiums "im Grundsatz erfolgreich" sei.

Der Untersuchungsbericht sei "bemerkenswert", er treffe den IPCC "hart", findet der renommierte Klimaforscher Roger Pielke Junior von der University of Colorado in Boulder, der den IPCC seit langem kritisch verfolgt. Die Reformvorschläge nennt Pielke "konstruktiv und weitreichend". Ob die Ideen umgesetzt werden, entscheidet der IPCC selber.

Achim Steiner, Chef des Uno-Umweltprogramms Unep, zieht einen positiven Schluss aus dem IAC-Bericht. "Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass der IPCC in seiner Glaubwürdigkeit in keiner Weise in Frage gestellt ist", sagte Steiner. Die neuen IAC-Vorschläge für den Weltklimarat stellen auch keineswegs die wissenschaftliche Arbeit in Frage. Angesichts der zunehmenden Aufgaben sei es jedoch wichtig, den IPCC entsprechend neu zu organisieren.

Mit Material von AFP und dpa
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