Regierungsbericht Waldsterben bricht alle Rekorde

Der Zustand der deutschen Wälder hat sich deutlich verschlechtert. Bei der Vorstellung des Waldschadensberichtes 2004 zeichnete Verbraucherministerin Renate Künast ein trauriges Bild von den deutschen Gehölzen. Sogar die Negativrekorde der neunziger Jahre seien gebrochen worden.


Waldsterben: Bäume von Wetter und Schadstoffen gezeichnet
DPA

Waldsterben: Bäume von Wetter und Schadstoffen gezeichnet

Berlin - Die Hauptursache für das beschleunigte Waldsterben sei der extreme Sommer 2003, sagte Künast bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes in Berlin. Die lang anhaltende Trockenheit und hohe Ozonwerte hätten Wälder getroffen, die bereits durch anhaltende Säure- und andere Belastungen aus der Luft geschwächt seien.

Den Angaben zufolge sind nur noch 28 Prozent der Bäume frei von sichtbaren Schäden. Niemals zuvor sei dieser Anteil so gering gewesen. Sogar die Negativrekorde von Anfang der neunziger Jahre seien damit gebrochen. Schuld sei neben der Trockenheit im Sommer 2003 die hohe Belastung der Böden mit Schwefel, Stickstoff, Schwermetallen und Ammoniak.

"Der Boden hat ein jahrzehntelanges Gedächtnis", mahnte Künast. Die Stoffe schwächten Nahrungsaufnahme und Wurzelbildung der Pflanzen. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) kritisierte derweil die Bauern dafür, dass aus der Landwirtschaft immer noch zu viele Stickstoffe in die Erde gelangten. "Gülle killt den Wald", sagte Trittin.

Geschädigt sind laut Waldzustandsbericht insbesondere Buchen, Eichen und Fichten. Knapp ein Drittel der Bäume zeige demnach deutliche Blatt- oder Nadelverluste. Damit hat die Zahl der stark geschädigten Bäume im Vergleich zu 2003 um acht Prozentpunkte zugenommen.

Besonders stark haben sich Künast zufolge die Baumkronen in Bayern und Schleswig-Holstein gelichtet. "Große Probleme haben wir mit der Buche." 55 Prozent dieser Bäume hätten deutlich Blätter verloren. Eine Prognose zur weiteren Entwicklung der Wälder sei kaum zu wagen. Selbst wenn es keine zusätzlichen Belastungen mehr gäbe, bräuchten die Bäume viele Jahre zur Erholung.

Zwar sei der Waldbestand in Deutschland seit 1987 von 2,28 Milliarden Kubikmeter auf 2,63 Milliarden Kubikmeter Holz und damit um 17 Prozent gewachsen, heißt es in dem Bericht. Doch das Ausmaß der Schäden sei angesichts der bisher für den Wald günstigen Witterung des Jahres 2004 auch für Experten überraschend.

Künast betonte, Wälder müssten verstärkt abgeholzt werden, um den Wald zu verjüngen. Dagegen steht der momentan geringe Holzverbrauch der Deutschen. Deshalb soll die Nutzung heimischen Holzes als Bau- und Rohstoff gefördert werden. "Hier geht das ökonomische Interesse der Waldbesitzer Hand in Hand mit dem ökologischen Interesse eines auch in Zukunft stabilen Waldökosystems", sagte die Ministerin.

Die Umweltorganisation Robin Wood forderte unterdessen eine Ausdehnung der Maut für Lastwagen auch auf Landstraßen sowie eine drastische Erhöhung der Gebühr. Sprecher Rudolf Fenner sagte, es müsse dringend zu Gunsten des Waldes umgesteuert werden. Auch die Ökologisierung der Landwirtschaft komme schlecht voran.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.