Rekord-Mistel Samenschleuder im Taschenformat

Bis zu 20 Meter weit kann die amerikanische Zwergmistel ihren Samen schießen - eine biologische Meisterleistung. Die Mini-Kanonenpflanze ist selbst nur zwölf Zentimeter groß.


Amerikanische Zwergmistel: Seltene Fortpflanzungstechnik im Pflanzenreich
USDA Forest Service

Amerikanische Zwergmistel: Seltene Fortpflanzungstechnik im Pflanzenreich

Ihre großen Verwandten verlassen sich bei der Fortpflanzung oft nur auf Vögel. Im Kot und auf den Füßen der Tiere schicken die meisten Misteln ihren Samen auf die Reise. Dagegen setzt die amerikanische Zwergmistel auf die eigene Kraft: Sie besitzt ein ausgetüfteltes Wasserdrucksystem, um ihren Nachwuchs in die Welt zu schießen. Cynthia Ross von der University College of the Kariboo in Kamloops (Kanada) und Michael Sumner von der University of Manitoba in Winnipeg haben die Entwicklung der Zwergmistelsamen unter dem Mikroskop analysiert. Die Biologen fanden dabei heraus, dass die Mini-Kanone gespeichertes Wasser als eine Art Schießpulver benutzt - ein im Pflanzenreich äußerst seltener Fortpflanzungsmechanismus.

Zwergmistel-Samen: Per Wasserdruck schießt die Pflanze den Samen bis zu 20 Meter weit
USDA Forest Service

Zwergmistel-Samen: Per Wasserdruck schießt die Pflanze den Samen bis zu 20 Meter weit

Es dauert anderthalb Jahre, bis die Samen der Zwergmistel zum Abschuss gereift sind, berichten die Forscher im "Canadian Journal of Biology". Wenn es so weit ist, bereiten sich die Früchte der Pflanze auf die Explosion vor. Sie speichern immer mehr Wasser in einer gelatineartigen Substanz, die von spiralförmigen Zellen im Inneren der Mistel abgesondert wird. Schon nach zwei Tagen ist es so weit: Der Druck ist groß genug, die Frucht explodiert und schleudert ihre reiskorngroßen Samen bis zu 20 Metern weit. Dabei unterstützt die Spiralform der Zellen den Mechanismus.

Die amerikanische Zwergmistel (Arceuthobium americanum) ist eine parasitische Pflanze, die Kiefern befällt und deren Körpersäfte anzapft. Sie lebt im Westen Kanadas und der USA. Weltweit gibt es etwa 1200 Mistelarten, sie alle leben auf und von anderen Pflanzen.



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