Rekord-Rückgang Wirtschaftskrise lässt Deutschlands Treibhausgas-Ausstoß massiv sinken

Die Wirtschaftskrise sorgt für einen immer schnelleren Rückgang des deutschen Treibhausgasausstoßes. Nach Zahlen des Umweltbundesamts sind die Emissionen der Bundesrepublik 2009 so stark gesunken wie nie zuvor. Die Experten warnen aber davor, beim Klimaschutz nachzulassen.
Kohlekraftwerk Jänschwalde: Wirtschaftskrise lässt Deutschlands CO2-Emissionen sinken

Kohlekraftwerk Jänschwalde: Wirtschaftskrise lässt Deutschlands CO2-Emissionen sinken

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

Hamburg/Dessau - Die Wirtschaftskrise hat auch ihre gute Seite: In den Industriestaaten dämpft sie den Ausstoß von Treibhausgasen. In Deutschland ist der Effekt besonders stark ausgeprägt, wie am Freitag veröffentlichte Statistiken des Umweltbundesamts (UBA) zeigen. Nach ersten Berechnungen habe der Treibhausgasausstoß im vergangenen Jahr um 8,4 Prozent oder 80 Millionen Tonnen unter dem Wert von 2008 gelegen. Allein die Kohlendioxidemissionen seien um 8,2 Prozent oder 68 Millionen Tonnen geschrumpft.

Entscheidend für die Entwicklung seien Industrie und verarbeitendes Gewerbe gewesen - dort seien die Emissionen um 20 Prozent gesunken, so das UBA. Schon 2008 hatte die Wirtschaftskrise einen ähnlichen Effekt - und trug so dazu bei, dass die Emissionen auf den niedrigsten Wert seit 1990 sanken. Auf diese Weise hatte Deutschland seine im Kyoto-Protokoll zugesagten Klimaschutzziele 2008 bereits erfüllt und lag sogar über dem Soll.

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Wirtschaftskrise: Deutschlands Treibhausgas-Ausstoß auf Rekordtief

Foto: UBA

Inzwischen sieht es nach den Zahlen des UBA noch besser aus: Bis Ende 2009 werde der Rückgang der deutschen Emissionen gegenüber 1990 fast 29 Prozent betragen. Nach dem Kyoto-Protokoll hatte sich die Bundesrepublik verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2008 bis 2012 um 21 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken (siehe Tabellen).

Abwrackprämie blieb ohne Effekt auf Treibhausgasemissionen

"Der Rückgang der Emissionen liegt vor allem an der Wirtschaftskrise", betonte Bundesumweltminister Norbert Röttgen. "Unser Ziel heißt jedoch Wachstum durch Klimaschutz. Deswegen werden wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Förderung der Energieeffizienz weiter forcieren, denn nur dies garantiert dauerhaften Klimaschutz und fördert zugleich das Wirtschaftswachstum."

Die Experten des UBA geben zu bedenken, dass Klimaschutz angesichts der Auswirkungen der Wirtschaftskrise besonders wichtig ist. Der Rückgang der Energienachfrage beweise, wie stark Energiesparen wirken könne, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Effizienzsteigerungen, der Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energieträger, die Gebäudesanierung und andere Minderungsmaßnahmen müssten weiter vorangetrieben werden. Nur auf diese Weise "kann ein deutlicher Wiederanstieg der Emissionen beim Überwinden der ökonomischen Krise vermieden" werden, so Flasbarth.

Zudem habe die Wirtschaftskrise zwar die CO2-Emissionen der Industrie stark sinken lassen, kaum aber die von privaten Haushalten sowie des Gewerbe-, Handel-, Dienstleistungssektors. Auch die eigentlich als Umweltprämie angekündigte Abwrackprämie für alte Autos habe 2009 kaum einen Wirkung auf die im Verkehrsbereich verursachten Treibhausgasemissionen gehabt.

Kohlenutzung stark zurückgegangen

Besonders stark gesunken sind dagegen die Emissionen aus der Nutzung von Kohle. Den stärksten Rückgang von allen Energieträgern verzeichnen laut UBA die Steinkohlen, die hohe CO2-Emissionen verursachen und damit auch einen großen Einfluss auf den Gesamttrend haben. Die größte Minderung sei konjunkturbedingt in der Stahlerzeugung sowie bei der Industriewärmeerzeugung zu verzeichnen gewesen. Auch die Stromerzeugung aus Steinkohle sei um volle 12,5 Prozent gesunken. Bei Haushalten und Kleinverbrauchern habe der kalte Winter dagegen die Steinkohlenutzung leicht steigen lassen.

Auch die CO2-Emissionen aus der Braunkohleverbrennung seien um 3,2 Prozent zurückgegangen, wofür die Kraftwerke der öffentlichen Versorgung maßgeblich verantwortlich seien. Auch der Ausstoß durch Erdgasnutzung ging um über neun Prozent zurück. Erstmals seit 1994 sank nach Angaben des UBA auch die Stromerzeugung aus Erdgas.

mbe