Rekordbohrung Japaner zeigen eine Million Jahre altes Eis

Einen Eiszylinder aus der Vergangenheit haben japanische Wissenschaftler präsentiert. Der uralte Brocken stammt aus den Tiefen des antarktischen Eises und soll Aufschluss über die Klimaentwicklung und die Evolution mit sich bringen.


So viel Mühe muss man üblicherweise nicht aufwenden, um an einen Eiswürfel zu kommen. Doch die japanischen Forscher vom Nationalen Institut für Polarforschung wollen auch keine kühlen Getränke, sondern Erkenntnisse über die jüngste Erdgeschichte.

Hideaki Motoyama, Bohrkern: Aufschlüsse durch Lufteinschlüsse
REUTERS

Hideaki Motoyama, Bohrkern: Aufschlüsse durch Lufteinschlüsse

Mehr als zwei Jahre hat das Team von Hideaki Motoyama gebohrt, um an den etwa eine Million Jahre alten Eisbrocken heranzukommen.

Drei Kilometer unter die Oberfläche der Antarktis trieben sie ihren Spezialbohrer - noch tiefer als die Kollegen vom deutschen Alfred-Wegener-Institut, die im Rahmen des internationalen EPICA-Projektes ebenfalls in die Tiefen des antarktischen Eises gebohrt hatten.

Die zylinderförmigen Eisstücke seien die bislang ältesten, die Experten je an die Erdoberfläche gebracht hätten, hieß es bei der Vorstellung in Tokio. Eisschichten enthielten im Kern uralten Schnee, sagte Motoyama. Der nun geborgene Eisblock wiederum gebe im Vergleich mit anderen Stichproben Aufschluss über Veränderungen von Temperatur, Kohlendioxidmengen und Methananreicherungen.

Zudem hofften die Experten, auf kleine Organismen zu stoßen und so deren Entwicklung untersuchen zu können. Bei einer Bohrung in Grönland hatten US-Forscher vor einiger Zeit eine lebende Bakterienkultur entdeckt. In etwa drei Kilometern Tiefe hatten die Kleinstlebewesen 100.000 Jahre lang überlebt.

Eine andere wichtige Frage, die Wissenschaftler mit solchen Bohrungen beleuchten wollen, ist die Veränderung des Weltklimas. Die tiefen Eisschichten enthalten kleine Blasen mit eingeschlossener Atmosphäre, so dass sie einen Blick in die Vergangenheit erlauben. Im vergangenen Jahr zeigte eine Studie des Epica-Projektes, dass die Kohlendioxid- und Methangasmengen in der Atmosphäre heutzutage wesentlich höher sind als in den vergangenen 650.000 Jahren.

cis/rtr



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