Knochensplitter Dinosaurier-Auktion verspricht neuen Preis-Rekord

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Was macht der gemeine Cowboy eigentlich in seiner Freizeit? So mancher sucht Fossilien: Den Rancher Clayton Phipps dürfte das am Dienstag zum mehrfachen Millionär machen - da werden seine "Dinos im Duell" versteigert. Wenn es so läuft, wie er hofft, für den höchsten Preis aller Zeiten.

Phipps ist tatsächlich Cowboy und Besitzer einer für US-Verhältnisse kleinen Ranch in Montana. Wie viele andere unabhängige Viehzüchter schaffte es Phipps nicht mehr, mit dem Ranchbetrieb allein seine Familie durchzubringen. Der Nebenjob ist unter den Kleinranchern Standard, wer alternative Einnahmequellen findet, schätzt sich glücklich.

Phipps fand seine, als er auf der Weide von einem Fossiliensammler um Erlaubnis gebeten wurde, auf seinem Grund nach Knochen zu suchen. Der Mann zeigte ihm später mehrere kleine Saurierknochen und damit einen Weg, den Lebensunterhalt für seine Familie merklich aufzubessern.

Im Jahr 2003, als er erstmals ein vollständiges Schädel-Fossil eines Stygimoloch fand und später für 40.000 Dollar verkaufen konnte, wurde aus dem Hobby mit kleinen finanziellen Anreizen deutlich mehr als das. Der Quereinsteiger ohne relevanten akademischen Background gilt heute als kenntnisreicher Dino-Jäger, er pflegt Kontakte mit professionellen Paläontologen. Fachlich berät er sich unter anderem mit Robert T. Bakker, dem Kurator der Paläontologie am Houston Museum of Natural Science.

Generell aber tue sich die Fachwelt schwer mit kommerziellen Dino-Jägern, sagt Phipps in diesem Video-Interview (YouTube):

Clayton Phipps über die Ablehnung seiner "kommerziellen" Funde
Zufallsfund in Nachbars Acker

Im Jahr 2006 suchte der "Dino Cowboy", wie ihn die regionale Presse nennt, mit seinem Cousin Chad O'Connor und dem gemeinsamen Kumpel Mark Eatman mit Erlaubnis des Besitzers auf dem Gelände einer privaten Ranch in der berühmten Hell Creek Formation, die sich über Montana, die Dakota-Staaten und Wyoming erstreckt.

Sie fanden den Beckenknochen eines Vogelbeckendinosauriers, den sie schnell den Ceratopsia zuordnen konnten. Es folgten Wochen, in denen sich die Drei Stück um Stück in den Fels vorarbeiteten.

Nach rund drei Wochen dann folgte ein Fund, der ihnen umgehend klar machte, dass sie über etwas wirklich Spektakuläres gestolpert waren: Inmitten der Knochen des später als Chasmosaurus ceratopsian identifizierten Pflanzenfressers - eine dem bekannten Triceratops sehr ähnliche Spezies - fanden sie die abgebrochene Kralle eines Raubsauriers von respektabler Größe.

Phipps behauptet, dass auch abgebrochene Zähne des Räubers im Fleisch des Chasmosauriers gesteckt hätten. Für ihn gibt es deshalb keinen Zweifel daran, dass das Fossilpaar "Dinos im Duell" ("Dueling Dinosaurs") gewesen seien - also im Kampf miteinander gestorben.

Alter Streit: Forschung versus Kommerz

Geklärt ist das keineswegs, denn bisher hat an dem spektakulären Fund niemand forschen können. Mehrere Jahre boten Phipps und Co. das Doppelfossil amerikanischen Museen und Instituten an. Laut Phipps hätten sie es gern so verkauft, dass der Fund der Forschung zur Verfügung gestanden hätte. Angeblich sollen sie aber 9,8 Millionen Dollar dafür verlangt haben - viel zu viel für akademische Institutionen.

Der bisher teuerste Dino-Kauf durch ein Museum war 1997 der Ankauf des T-rex "Sue" durch das Field-Museum in Chicago: Der Preis von 7,6 Millionen Dollar konnte nur mit Hilfe privater Sponsoren aufgebracht werden, Sue gilt bis heute als teuerstes Fossil aller Zeiten.

Wenn es gut läuft für Cowboy Phipps und seine Partner, wird sich das am Dienstag ändern. Dann stehen die "Dueling Dinosaurs" beim New Yorker Auktionshaus Bonhams zum Verkauf. Erwartet wird der Zuschlag irgendwo zwischen sieben und neun Millionen Dollar.

Ob das Fossilpaar danach jemals der Forschung zur Verfügung stehen wird, hängt dann allein vom guten Willen des Käufers ab. Die Auktion wird die alte Diskussion um private Fossilienjäger und die berechtigten Interessen der Wissenschaft auf jeden Fall erneut befeuern.

Dass die alte Streitfrage um Vorfahrtregeln für Kommerz oder Forschung jemals pauschal beantwortet werden kann, ist aber unwahrscheinlich. Denn oft genug, machte der Bonner Paläontologe Martin Sander 2011 im Gespräch mit dem SPIEGEL klar, ist auch die kommerzielle Grabung höchst nützlich: "Wenn mehr Sammler suchen, wird auch mehr gefunden. Außerdem sind Ausgrabungen teuer, da kann es sinnvoll sein, wenn Privatleute oder Firmen mithelfen. Aber es kann auch passieren, dass bedeutende Funde der Wissenschaft nicht zugänglich werden, sondern dass Skelette bei reichen Sammlern im Wohnzimmer landen."

Für das angebliche Dino-Duell wird der Käufer allerdings ein großes Wohnzimmer mit hohen Decken brauchen. Im ursprünglichen Kontext zueinander aufgestellt haben die beiden Fossilien eine Gesamtlänge von über zehn und eine Höhe von über drei Metern. Rein quantitativ bekommt man also richtig was fürs Geld.



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3 Leserkommentare
Larry 19.11.2013
dimetrodon190 19.11.2013
Frank Patalong 19.11.2013

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