Rekordverdächtig Vogel fliegt 10.000 Kilometer am Stück

Eine Pfuhlschnepfe hat einen neuen Langstreckenrekord im Fliegen aufgestellt: Ohne Pause flog sie aus Nordamerika nach Neuseeland - stets den Ozean unter sich. Wissenschaftlern gelang es jetzt, mit Hilfe eines Senders die Flugroute des Vogels zu dokumentieren.


Da würde selbst ein Hochleistungssportler nicht mithalten können: 10.000 Kilometer ohne Pause. Diese lange Strecke hat ein Zugvogel bei seinem Weg von Alaska über den Pazifik nach Neuseeland zurückgelegt. Die Pfuhlschnepfe mit dem Namen "E7" landete nach ihrer langen Reise am vergangenen Freitag sicher in Neuseeland, berichtete der "New Zealand Herald" am Dienstag. Um ihren Flug zu dokumentieren, hatten Wissenschaftler dem Vogel im Februar einen Mini-Sender eingepflanzt, der über Satellit die Daten der Flugroute übertrug.

Lange Wege übers Meer: In sechs bis sieben Tagen brachten die Schnepfen 10.000 Kilometer hinter sich
SPIEGEL ONLINE

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"Das ist schon eine außergewöhnliche Leistung", sagte Hans-Günther Bauer, Ornithologe von der Vogelwarte Radolfzell, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Lassen Sie mal einen Menschen eine vergleichbare Strecke schwimmen und schauen, wann der schlapp macht." So würden zwar viele Vogelarten solche Strecken zurücklegen, aber eben nicht an einem Stück. "Eine Küstenschwalbe fliegt schon mal 20.000 Kilometer, macht aber Pausen."

Nach Angaben von Phil Battley von der Massey University flog die Schnepfe von Neuseeland zunächst rund 10.000 Kilometer nach China, wo sie sich fünf Wochen aufhielt, ehe sie 5.000 Kilometer weiter zum Brüten nach Alaska flog. Ende August habe sich "E7" auf den Rückweg gemacht, ohne auf Hawaii oder den Fidschi-Inseln einen Zwischenstopp einzulegen. "Sie hätte erst einmal an der Küste Alaskas entlang fliegen und die Pazifiküberquerung rund 500 Kilometer weiter südlich beginnen können, aber das hat sie nicht", sagte Battley und verwies auf die dank des Senders ermittelte Flugroute. "Das zeigt, dass ein so langer Flug kein Problem für sie ist." "E7" halte damit - soweit bekannt - den Streckenrekord für Zugvögel.

Langstreckenflieger: Die Pfuhlschnepfen legen weite Entfernungen zu ihren Brutgebieten zurück
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer

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Insgesamt hatten die Forscher zehn Schnepfen mit Sendern ausgestattet. Nicht alle flogen allerdings mit solcher Ausdauer wie "E7". Drei machten unterwegs Päuschen in Papua Neu Guinea, auf den Philippinen und in Mikronesien. Interessanterweise seien dies Männchen gewesen, sagte Battley dem "New Zealand Herald". Den Sender trugen sie in einem kleinen Rucksack auf dem Rücken, und war ihnen nicht, wie den anderen Vögeln, implantiert worden. Die Forscher vermuten, dass die Vogelmännchen daher einen größeren Luftwiderstand zu bewältigen hatten und eher pausieren mussten. Die Rekordflieger der Truppe - darunter "E7" - benötigten für die Strecke sechs bis sieben Tage und flogen im Durchschnitt 56 Kilometer pro Stunde.

Finanziert wurde das Projekt von den Vereinigten Staaten, sagte Battley dem "New Zealand Herald". Die USA sei an den Routen von Zugvögeln interessiert, da sie das Vogelgrippevirus H5N1-Virus übertragen können und es so möglicherweise nach Alaska bringen könnten.

khü/dpa



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