Ressourcenstreit Russland schickt mehr Soldaten in die Arktis

Noch in diesem Jahr will Russland Spezialtruppen in die Arktis schicken. Damit unterstreicht Moskau seinen Anspruch auf die Kontrolle der Öl- und Gasvorkommen sowie der Seewege im hohen Norden. Zugleich sendet der Kreml Signale der Entspannung.
Rentiere in der russischen Arktis (2008): "Das Potential wird ausgebaut"

Rentiere in der russischen Arktis (2008): "Das Potential wird ausgebaut"

Foto: VASILY FEDOSENKO/ REUTERS

Moskau - In einer spektakulären Tauchaktion pflanzte Russland in 4000 Metern Tiefe seine Flagge in den Meeresboden am Nordpol. Das war im August 2007. Jetzt schickt Moskau ein Arktis-Spezialkommando auf den Weg, um den Anspruch auf Öl und Gas unter dem ewigen Eis zu untermauern. Zwar sichert der Kreml zu, im Streit um die Arktis eine friedliche Lösung anzustreben. Doch Russlands Militär und Geheimdienst wollen auf Nummer sicher gehen.

Noch in diesem Jahr - und damit deutlich früher als zuletzt angedeutet - will Russland mit Spezialtechnik und -uniformen ausgerüstete Panzergrenadiere in die Arktis schicken. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax soll die Brigade dem Armeestützpunkt in Petschenga in der Nähe von Murmansk auf der Halbinsel Kola zugeordnet werden. Das Lager der Arktistruppen selbst wird dem Vernehmen nach aber anderswo liegen.

Schon 2008 hatte der Nationale Sicherheitsrat in Moskau eine Arktis-Strategie bis 2020 verabschiedet. Ministerpräsident Dmitrij Medwedew forderte damals, schleunigst die Grenzen des russischen Festlandsockels festzulegen. Dabei geht es vor allem um das Gebiet des unterseeischen Lomonossow-Rückens.

In der Arktis werden etwa ein Viertel der noch nicht entdeckten erschlossenen Erdöl- und Erdgasfelder der Welt vermutet. "Die Verwendung dieser Ressourcen ist der Schlüssel zur Energiesicherheit von ganz Russland", sagte Medwedew. Längst nicht alle Öl- und Gasvorräte in der Arktis dürften sich wirtschaftlich fördern lassen. Der russische Konzern Rosneft will sich mit dem britischen Petro-Riesen BP zusammentun, um Lager im hohen Norden anzuzapfen, auch wenn die Zukunft der Business-Ehe noch nicht ganz klar ist. Umweltschützer sind ohnehin gegen die Treibstoffsuche in der Arktis.

Russland erwartet künftig einen leichteren Zugriff auf die unterirdischen Schätze, weil der Klimawandel das arktische Meereis rapide schmelzen lässt. Den Zugriff auf Territorien am arktischen Meeresboden wollen sich neben Russland und den USA auch Kanada, Norwegen und Dänemark sichern.

Vormacht soll auch auf See gesichert werden

Doch es geht nicht nur um die Bodenschätze, darunter Nickel, Kobalt und andere Metalle. Russland rechnet auch mit einer deutlichen Verbesserung der Navigationsbedingungen durch die klimabedingte Eisschmelze. Demnach will Moskau künftig die Nordmeer-Passage als Seehandelsweg zwischen Europa und Asien kontrollieren.

Handelsschiffe legen derzeit auf der Strecke durch den Suezkanal gut 21.000 Kilometer zurück. Durch eine eisfreie Nordmeer-Passage verkürzt sich der Weg auf 14.000 Kilometer. Erste Transporte auf der Nord-Route hat es bereits gegeben . Moskau will verhindern, dass der Westen diesen Weg an den reichen Öl- und Gasvorkommen zur internationalen Seestraße macht - ohne russische Mitsprache.

Zwar ist russisches Militär bereits heute in den Gebieten Murmansk und Archangelsk sowie in anderen nördlichen Regionen stationiert. Spezielle Arktis-Truppen sind aber neu. Zuletzt hatte der für die Grenzsicherung zuständige Inlandsgeheimdienst FSB erklärt, bis 2017 den Schutz der Arktis vor Eindringlingen zu verstärken. Ziel sei eine effektivere und umfassende Kontrolle etwa der Durchfahrt von Schiffen, sagt der FSB-Generalmajor Wjatscheslaw Dorochin.

Schon heute würden zur Überwachung der Nordmeer-Passage Flugzeuge und Schiffe eingesetzt. "Das Potential wird aber ausgebaut", sagte Dorochin nach Interfax-Angaben. Niemand solle glauben, er könne in der Arktis tun und lassen, was er wolle.

Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat sich stets für eine friedliche Lösung des Streits um die Arktis ausgesprochen. Allerdings machte die Führung in Moskau auch deutlich, dass sie ihre Interessen notfalls militärisch durchsetzen will. Deutschland hat sich zuletzt mit einer großen Arktis-Konferenz in Berlin dafür eingesetzt, den hohen Norden zumindest für die Forschung zugänglich zu halten .

chs/dpa
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