Künstliche Düngung von Weltmeeren Mit Wal-Exkrementen gegen die Klimakrise

Wissenschaftler wollen künstliche Wal-Exkremente in den Indischen Ozean einlassen. Der Dünger könnte das Fischwachstum fördern und die Meere gegen die Folgen des Klimawandels schützen.
Blauwal im Indischen Ozean

Blauwal im Indischen Ozean

Foto: NurPhoto / NurPhoto via Getty Images

Mit einem ungewöhnlichen Experiment wollen Wissenschaftler die stark verschmutzten Weltmeere retten. Ein internationales Forscherteam beginnt in den nächsten Wochen damit, künstliche Walfäkalien im Indischen Ozeans auszustreuen.

Die Forschergruppe um das Centre for Climate Repair  an der Universität Cambridge will herausfinden, ob nährstoffarme Meeresökosysteme durch einen solchen Eingriff wieder restauriert werden können. So sollen sich Fischpopulationen wieder erholen. Außerdem könnte das im Kampf gegen die Klimakrise helfen.

Dass Walkot in den Meeren wie ein Dünger wirkt, ist schon länger bekannt. Die Meeressäuger ernähren sich von Krill, kleinen Krustentieren, deren orange Farbe in der Fäkalienwolke gut zu erkennen ist. Der Kot der Tiere enthält für Pflanzen und Tiere wichtige Nährstoffe.

Pottwal nahe der Oberfläche: Dort verrichten Wale ihr Geschäft

Pottwal nahe der Oberfläche: Dort verrichten Wale ihr Geschäft

Foto: Francois Gohier / Universal Images Group / Getty Images

Bereits vor über zehn Jahren beschrieben Zoologen  der Universität Harvard die »whale pump«, den Antrieb des Nahrungskreislaufs durch die Meeressäuger: Demnach fressen die Tiere in der Tiefe und verteilen anschließend stickstoffhaltige, verdaute Nahrung im warmen Oberflächenwasser. Dort verteilt sie sich und fördert das Planktonwachstum, zu dem auch der Krill gehört. Unter Meeresbiologen gelten Wale aufgrund ihrer umfangreichen Ausscheidungen auch als »Gärtner der Meere«.

Doch es gibt einen akuten Mangel an Wal-Exkrementen. Die Walpopulation ist in den vergangenen Jahrhunderten massiv gesunken. Heute gibt es nur noch rund fünf Prozent des ursprünglichen Bestandes, vor allem durch die Jagd, aber auch die Verschmutzung der Weltmeere. Ihnen fehlen mittlerweile die Nährstoffe aus dem Walkot, so die Forscher. Deshalb stellen sie den Kot nun künstlich her. Dafür wollen sie unter anderem Reishülsen aus einer Reisfabrik nahe der indischen Stadt Goa nutzen, wie der »Guardian« schreibt.

Walkot als Klimaretter

»Wir versuchen, den Ozean wieder zu bevölkern«, sagt der Klimaforscher und ehemalige britische Regierungsberater David King dem Magazin »New Scientist«. Er leitet das Centre for Climate Repair in Cambridge, das sich mit alternativen Methoden der »Klimaintervention« beschäftigt. Das Forschungszentrum entwickelt Methoden für künstliche Eingriffe in die Umwelt, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.

So soll die künstliche Düngung des Meeres nicht nur für mehr Fischwachstum sorgen, sondern auch einen Klimaeffekt haben: Durch Fotosynthese entzieht Phytoplankton der Atmosphäre CO₂ und bindet es zu Kohlenstoff. Wenn Fische das Plankton fressen und sterben, wird ein Teil des Kohlenstoffs im Meeresboden eingeschlossen.

»Ich weiß nicht, ob das Experiment die endgültige Antwort sein wird«, sagt Forscher King. »Aber wir wollen es versuchen, solange es keine potenziellen Schäden für die Ozeane gibt«, sagt King.

Zuerst wollen die Forscher den Walkot auf einer relativ kleinen Fläche verstreuen. Wenn das Experiment funktioniert, könnte die Idee aber auch im größeren Maßstab funktionieren, hoffen die Initiatoren. Dann könnten die Walfäkalien gezielt vor Küsten verstreut werden, um den Fischfang zu steigern.

sug
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