Sinkender Pegel und Wassertemperaturen bis 30 Grad Der Rhein wird toxisch

Die Hitzefolgen sind eine Gefahr für die komplexe Flora und Fauna in Flüssen. Klimaexperte Karsten Brandt spricht von einem »Steppensommer« – und prognostiziert, wie sich die Lage im Rhein entwickelt.
DER SPIEGEL

Der Rhein trocknet immer mehr aus, am Freitagmorgen lag der Pegel an manchen Stellen nochmal 5 Zentimeter niedriger als am Donnerstag. In der kommenden Woche könnte die Binnenschifffahrt laut Bundesanstalt für Gewässerkunde »tendenziell zum Erliegen« kommen – inklusive wichtigen Transportstrecken beispielsweise für Kohle. Dabei sind die wirtschaftlichen Folgen nur ein Aspekt.

Karsten Brandt, Klimaexperte

»Wir sind mitten im Klimawandel. Also da kann ich nur sagen, guten Morgen, wir sind im Steppensommer angekommen. Das ist so das, was die Klimamodelle auch zeigen. Man hat ja immer so ein bisschen die Hoffnung gehabt, dass Deutschland und Mitteleuropa das dann vielleicht erst später so abbekommen, dass wir hier sozusagen so ein bisschen geschützt sind. Wir sind auch geschützt, aber es kommt jetzt doch schneller und kräftiger als erwartet. Und das ist ein Steppenklima, also häufig viele Jahre sehr trocken. Diese Frequenz wird höher.«

Problematisch wird die Temperaturzunahme nicht nur für Wald, Landwirtschaft, Industrie und Kühlprozesse etwa von Kraftwerken. Auch die Natur und das komplexe Ökosystem im Wasser leiden gleich doppelt.

Karsten Brandt, Klimaexperte

»Zwei Dinge: Wir haben extrem niedriges Wasser, wir haben also sehr wenig Wasser im Rhein durch diese extreme Trockenheit. Wir haben zudem sehr hohe Wassertemperaturen. Wir haben zudem sehr hohe Wassertemperaturen und beides zusammen wirkt toxisch auf die Bewohner im Rhein, auf die Fische, auf das gesamte Ökosystem. Teilweise 28 Grad und mehr haben wir hier gemessen, aber bei den Nebenflüssen sind sogar zum Teil noch höhere Werte zu verzeichnen. Ein Beispiel in Hessen, die Nidda, die hat fast 30 Grad gestern gehabt. Wenig Wasser, große Wärme, Lufttemperaturen über 35/36 Grad. Und das zusammen ist für so ein Ökosystem sehr problematisch.«

Und das ist noch nicht das Ende. Laut Klimaexperte Brandt werden wir in Zukunft wahrscheinlich sogar Sommer mit 43 bis 45 Grad im Sommer in Deutschland erleben – und entsprechend hohe Werte auch in den Gewässern.

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