Rhesusaffen Primaten steuern Rufe ähnlich wie Menschen

Rhesusaffen können ihre Stimme bewusst einsetzen - und faszinieren damit Forscher. Die haben den Tieren das Verhalten im Labor antrainiert. Doch Tierschützer machen seit Jahren gegen diese Art von Experimenten Front.
Rhesusaffen (im Zoo von Heidelberg, Juli 2010): Laute willentlich gesteuert

Rhesusaffen (im Zoo von Heidelberg, Juli 2010): Laute willentlich gesteuert

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Rhesusaffen sind zu erstaunlichen Leistungen fähig. Sie sind in der Lage, sich selbst zu erkennen und beherrschen einfache mathematische Konzepte wie "mehr" oder "weniger". Und laut einer aktuellen Studie können sie genau wie wir Menschen entscheiden, ob sie in einer bestimmten Situation einen Laut ausstoßen oder lieber schweigen - zumindest nach Training im Labor.

Damit seien die Affen nach jetzigem Stand die einzige Art im Tierreich, die ihre Stimme bewusst so einsetze, berichtet ein Team Tübinger Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Nature Communications". Auch wenn das Miauen einer Katze oder das Bellen eines Hundes auf Menschen manchmal berechnend wirken mag: Sie geben ihre Laute rein affektiv ab, also ohne vorher darüber nachzudenken.

Dass Menschen ihre Laute willentlich steuern können, sei die Grundlage dafür, dass sie überhaupt sprechen können, sagt der Neurobiologe Steffen Hage. Er hat die Ergebnisse zusammen mit seinem Kollegen Andreas Nieder veröffentlicht. Wenn Menschen nach einer Kopfverletzung ihr Sprachvermögen verlören, so die Forscher, seien häufig genau die Nervenzellen im Gehirn gestört, mit deren Hilfe die Stimme zweckdienlich eingesetzt wird.

Rufen, wenn der Lichtpunkt erscheint

Diesen Mechanismus wollten die Wissenschaftler bei den Affen genauer untersuchen. Im Labor brachten sie den Tieren bei, immer dann zu rufen, wenn vor ihnen ein Lichtpunkt erscheint. Dafür bekamen sie zur Belohnung etwas Saft zu trinken. Dieses Training habe rund ein Jahr lang gedauert, sagte Hage. Dann hätten die Affen die Aufgabe zuverlässig erfüllt. Bei weiteren Untersuchungen konnten die Forscher im Bereich des Stirnhirns einen Bereich ausmachen, der offensichtlich für die Steuerung zielgerichtet hervorgebrachter Rufe zuständig ist.

Inwiefern die Rhesusaffen ihre Stimme auch ohne das Labor-Training in ihrer natürlichen Lebensumgebung zielgerichtet einsetzen, sei unklar, sagte Hage. An den Tübinger Versuchen mit Affen, wie sie die Forscher genutzt haben, entzündet sich seit Jahren heftige Kritik von Tierschützern. Die Affen werden in einem sogenannten Primatenstuhl fixiert, damit sie sich ganz auf das Experiment konzentrieren.

Hage verteidigte dieses Vorgehen: Die Affen würden Schritt für Schritt an die Fixierung gewöhnt. Untersuchungen belegten, dass bei den Tieren keine Verhaltensauffälligkeiten festzustellen seien.

chs/dpa