Riesen-Beuteltier Australier finden Kiefer eines Zwei-Tonnen-Wombats

Pflanzenfressende Riesen mümmelten im Australien des Pleistozäns: In einer Höhle fanden Forscher den Kieferknochen eines Mega-Wombats, der drei Meter lang und zwei Tonnen schwer gewesen sein muss.


Sydney - Groß wie ein Auto war das Beuteltier, das können Forscher allein von einem Kieferknochen hochrechnen. Das Fundstück lag zwischen 20.000 und 40.000 Jahre lang in einer Höhle westlich der australischen Hafenstadt Sydney und harrte der Entdeckung, bis ein Höhlenführer darauf stieß. Dass der Kiefer einst zu einem Riesen-Wombat gehörte, teilte der Paläontologe Michael Archer von der University of New South Wales jetzt mit.

Der Riesen-Wombat, auch Diprotodon genannt, habe zur Megafauna gehört, die einst Australien bevölkert habe, erklärten Wissenschaftler bei der Präsentation des Fundes. Der Fund sei eine bedeutende Entdeckung, sagte Archer. Er wurde in den Jenolan-Höhlen in den Blue Mountains gemacht. Das Tier, zu dem er einst gehörte, müsse rund zwei Meter hoch und drei Meter lang gewesen sein - und rund drei Tonnen gewogen haben.

Im Vergleich dazu wirken die Nachfahren des Diprotodon wie Miniaturausgaben: Heute lebende Wombats (Vombatidae) kommen kaum über einen Meter Länge hinaus und sind etwa 25 Zentimeter hoch. Die Säugetiere fressen Pflanzen und graben Höhlen. Sie kommen nur in Australien und auf der südaustralischen Insel Tasmanien vor.

Megafauna - bis der Mensch kam

Nun hofft Archer, dass in den Jenolan-Höhlen noch weitere Überreste von Tieren aus dem Pleistozän gefunden werden. Dieses Erdzeitalter begann vor rund 1,8 Millionen Jahren und endete vor zirka 11.500 Jahren.

Archers Hoffnung könnte berechtigt sein: Erst im Januar berichtete ein Team des Paläontologen Gavin Prideaux vom Western Australian Museum in Perth in der Wissenschaftszeitschrift "Nature" von ähnlichen Funden aus dem Süden des Landes. Dabei war unter anderem das erste vollständig erhaltene Skelett eines Beutellöwen zum Vorschein gekommen. Außerdem hatten die Wissenschaftler Überreste einer Schneckenart und von ganzen 69 Wirbeltierspezies entdeckt. Darunter waren 23 Känguru-Arten - und ein Riesen-Wombat.

Australiens berühmte Megafauna - bestehend aus unterschiedlichen Arten großer Landsäugetiere - verschwand etwa zur selben Zeit, als der über die südostasiatischen Inseln zugewanderte Mensch den Kontinent eroberte.

stx/AFP



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