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Hungernde Seebären: Vergebliche Suche nach Krill

Foto: Jaume Forcada

Südpolarmeer Klimawandel lässt Antarktische Seebären hungern

Antarktische Seebären finden laut einer Studie nicht mehr genug Futter im Südpolarmeer. Sie hungern über Jahre, ihr Nachwuchs ist kaum überlebensfähig. Auch Albatrosse, Pinguine und Wale könnten auf der Suche nach Futter öfter leer ausgehen.

Wie verändert der Klimawandel die Tierwelt in der Antarktis? Lange haben Forscher untersucht, wie Antarktische Seebären mit wärmeren Temperaturen am Südpol fertig werden. Eine neue Studie hat jetzt ergeben: Die Tiere hungern, sie finden nicht mehr genug Nahrung. Zwar hätten sich manche Weibchen an die Knappheit angepasst, könnten ihre Robustheit aber nicht an ihren Nachwuchs weitergeben. Die Population werde immer kleiner.

"Wir haben Antarktische Seebären untersucht, weil sie ein guter Indikator für den Zustand des Ozeans sind", erklärt Jaume Forcada vom British Antarctic Survey in Cambridge. Eine der wichtigsten Nahrungsquellen der Seebären ist Krill, und von dem gibt es immer weniger. Da auch Albatrosse, Pinguine und Wale Krill fressen, könnte der Zustand der Seebären auf die Auswirkungen der Erderwärmung auf eine Vielzahl von Arten hindeuten.

Über 31 Jahre hinweg, von 1982 bis 2012, erfassten Forcada und sein Kollege Joseph Hoffman von der Universität Bielefeld Daten von mehreren Tausend weiblichen Seebären auf der Insel Südgeorgien im Südatlantik. Sie verglichen sie mit Informationen über Wasser- und Lufttemperatur, Eismenge und der Verfügbarkeit von Antarktischem Krill, der in dem immer wärmer werdenden Oberflächenwasser im Südpolarmeer nicht mehr so gut gedeiht.

Das Ergebnis: In den vergangen 27 Jahren nahm die Zahl der sich fortpflanzenden Weibchen um etwa ein Viertel ab, berichten Forcada und Hoffman im Fachmagazin "Nature" .

Missglückte Anpassung

Zunächst war nicht klar, warum die Population kleiner wird. Denn die Forscher stellten fest, dass die Seebärweibchen häufig sogar robuster geworden waren. Darauf deutete die Zusammensetzung ihrer Gene hin. Ihr Erbgut war öfter aus sehr unterschiedlichen DNA-Strängen von Mutter und Vater zusammengesetzt, was die Überlebens- und Fortpflanzungschancen für ein Individuum erhöht. Mängel auf dem einen Strang können durch den anderen ausgeglichen werden - das macht die Tiere beispielsweise weniger anfällig für Krankheiten.

"Man würde denken, dass diese Weibchen besser mit dem Klimawandel fertigwerden", sagt Forcada. Der Haken an der Sache: Die robusten Weibchen begannen erst spät mit der Fortpflanzung, brachten recht kleine Jungtiere zur Welt und zogen insgesamt seltener Nachwuchs groß. Typisch für eine Population, in der Nahrung knapp ist.

Das größte Problem: Die robusten Seebärweibchen können ihren genetischen Vorteil nicht an ihren Nachwuchs weitergeben. Je nachdem, mit wem sie sich paarten, taten sich wieder sehr ähnliche DNA-Stränge zusammen. Ihre recht wenigen und klein geratenen Jungtiere waren dem Nahrungsmangel und seinen Folgen schließlich umso stärker ausgeliefert. Insgesamt überlebten weniger Seebären.

"Wenn der Mangel an Krill die Seebären bedroht, sind mit Sicherheit auch andere Tiere von der Knappheit betroffen", sagt Forcada. Andere Forscher sind zurückhaltender: Tim Coulson und Sonya Clegg von der britischen Oxford University weisen in einem Begleitartikel  darauf hin, dass man zunächst weitere Daten brauche, um den Einfluss auf andere Spezies abschätzen zu können. "Erst dann wissen wir, ob die Antarktischen Seebären ungewöhnlich auf vom Menschen verursachte Veränderungen reagieren, oder ob die genetischen Veränderungen typisch sind."

jme
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