Rohstoff-Prognose Erdölförderung soll spätestens ab 2020 sinken

Experten warnen vor Engpässen in der Erdölversorgung in spätestens 15 Jahren. Bis dahin kann die Förderung nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe noch moderat von Jahr zu Jahr steigen. Danach müsse man sich auf rückläufige Öllieferungen einstellen.

Hannover - Das Öl ist der wichtigste Energieträger der Welt - die Vorräte gehen jedoch langsam aber sicher zur Neige. Bereits 37 Prozent des förderbaren Öls hat die Menschheit nach derzeitigen Erkenntnissen aus der Erde gepumpt. Schon länger streiten Experten darüber, wann der Zeitpunkt der absoluten Jahreshöchstförderung erreicht sein wird - auch Peak Oil genannt. Danach - soviel ist sicher - brechen schwierige Zeiten an. Denn dann wird immer weniger Rohöl verfügbar sein, die Nachfrage übersteigt das Angebot.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wagt nun eine eigene Prognose für Peak Oil: Bis zum Jahr 2020 müsse man mit dem Höhepunkt der Förderung von konventionellem Erdöl rechnen. Das noch vorhandene Potenzial an Erdöl könne bei einem moderaten Verbrauchsanstieg die Versorgung noch für 10 bis 15 Jahre gewährleisten, heißt es in der am heutigen Dienstag veröffentlichten BGR-Studie "Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen".

Spätestens ab 2020 gehe die Ölförderung zurück und es sei mit einer Versorgungslücke zu rechnen, die andere Energieträger ausgleichen müssten. Dazu können laut BGR Kraftstoffe zählen, die aus Erdgas, Kohle oder Biomasse hergestellt werden. Die Bundesanstalt verweist ausdrücklich auf eine Prognose der Internationalen Energieagentur IEA, laut der synthetische Kraftstoffe in einigen Jahren bereits einen Anteil von 22,5 Prozent erreichen könnten.

Ölsande und Ölschiefer sind kein Ersatz

Die BGR-Experten rechnen nicht damit, dass eine erhöhte Förderung von nichtkonventionellem Erdöl aus Sanden und Schiefern die permanent steigende Nachfrage und den Rückgang bei herkömmlichem Öl kompensieren kann. Bis zum Jahr 2020 werde der Anteil von Ölsanden und -schiefern kaum mehr als fünf bis zehn Prozent der Gesamtförderung betragen. Die IEA geht davon aus, dass der weltweite Erdölbedarf jährlich um 1,3 Prozent steigen wird. Die Hauptnachfrage kommt vom weiter zunehmendem Autoverkehr.

Für ihre Studie hat die BGR Publikationen und Berichte zu Rohstoffreserven aus aller Welt ausgewertet und eigene Erhebungen durchgeführt. Nach Auffassung der Bundesanstalt wird der Anteil des Öls aus Opec-Ländern und insbesondere aus den Golf-Staaten in Zukunft erheblich zunehmen. Laut der Studie entfallen 62 Prozent der bekannten weltweiten Reserven auf die Golfstaaten. In Opec-Staaten insgesamt sei erst gut ein Viertel des Gesamtpotentials an Öl gefördert. Die OECD-Staaten hätten dagegen bereits 62 Prozent ihres Potentials verbraucht.

Hoher Ölpreis als Segen?

Erdgas, Kohle und Uran stehen der Studie zufolge noch jahrzehntelang in ausreichender Menge zur Verfügung. Die Erdgasreserven beziffert die BGR auf 181 Billionen Kubikmeter, die vermuteten weiteren Ressourcen auf 207 Billionen Kubikmeter. Der weltweite Jahresverbrauch lag nach Angaben der BGR 2006 bei 2,9 Billionen Kubikmetern.

Was Prognosen zum Ölpreis betrifft, der in den vergangenen Wochen mehrfach der 100-Dollar-Marke sehr nahe kam, will sich die BGR nicht festlegen: "Die Entwicklung des Ölpreises ist nicht vorhersagbar", heißt es. Mancher Fachmann hält einen hohen Ölpreis sogar für einen Segen, wie Thomas Straubhaar, der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sagt. Der steigende Ölpreis habe dazu geführt, dass endlich auch in USA über Energiesparen nicht nur in Talkshows geredet, sondern tagtäglich entsprechend gehandelt werde, schreibt er in einer Analyse für SPIEGEL ONLINE.

hda/AP

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