Bedrohte Tiere in Deutschland Hase, Luchs, Schweinswal - diese Arten könnten bald verschwinden

Das Artensterben trifft auch Deutschland. Laut einer Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz sind ein Drittel der Säugetiere in ihrem Bestand gefährdet.
Dem Feldhasen fehlen viele Pflanzen, die durch die industrielle Landwirtschaft und den Herbizideinsatz dezimiert werden.

Dem Feldhasen fehlen viele Pflanzen, die durch die industrielle Landwirtschaft und den Herbizideinsatz dezimiert werden.

Foto: M. Woike / blickwinkel / imago images

Beim Artensterben reißen die schlechten Nachrichten nicht ab: Zehntausende Tiere sind weltweit vom Aussterben bedroht, Hunderttausende stehen auf der Roten Liste, sind also gefährdet. Das vermeldete erst vor wenigen Monaten die Weltnaturschutzunion IUCN. Eine solche Rote Liste gibt es auch für Deutschland und sie macht ebenfalls nicht gerade Mut: Knapp ein Drittel aller Säugetierarten ist auch hierzulande in ihrem Bestand gefährdet.

Das geht aus einem aktuellen Bericht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)  und dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ) hervor. Die Autoren haben für 97 in Deutschland heimische Säugetiere die Bestandssituation und das Ausmaß der Gefährdung ermittelt. Fazit: Der Zustand vieler Tierbestände habe sich in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre verschlechtert.

Unter den bedrohten Arten sind unter anderem Feldhase, Iltis, Bechsteinfledermaus, Feldhamster, Gartenschläfer und Schweinswal. Sie gelten alle als "bestandsgefährdet" und fallen damit unter eine der vier Kategorien "vom Aussterben bedroht", "stark gefährdet", "gefährdet" oder "Gefährdung unbekannten Ausmaßes". Die Rote Liste wurde erstmals nach zehn Jahren wieder aktualisiert.

Walsterben in der Ostsee

"Ihre Vorkommen gehen zurück, weil die menschliche Nutzung ihrer Lebensräume weiter zunimmt", erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel am Vormittag in Bonn. "Die Auswirkungen unserer Nutzungen sind es auch, die dazu geführt haben, dass das Graue Langohr, die Fledermaus, der Luchs und der Zwergwal jetzt als vom Aussterben bedroht eingestuft sind."

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Diese Tiere könnten es in Deutschland bald nicht mehr geben

Foto: Nature Picture Library / imago images

Laut dem Bericht sind sogar die Hälfte aller Säugetierarten bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Vom Aussterben bedroht sind insgesamt rund sieben Prozent aller untersuchten Säugetiere.

Ein Beispiel ist der Schweinswal, den die Liste als "Stark gefährdet"  einstuft. In der Ostsee fallen die Wale sogar in die Kategorie "Vom Aussterben bedroht". Das liegt laut Bericht an der Stellnetzfischerei, Umweltverschmutzung, Unterwasserlärm wie beispielsweise durch Sprengungen von Altmunition oder durch die Schifffahrt.

Kegelrobben und Wildkatzen geht es gut

Positiv entwickelt haben sich die Bestände von 17 Säugetierarten, darunter Atlantische Kegelrobbe, Wildkatze und Fischotter. Dies sei vor allem auf Maßnahmen im Bereich des Natur- und Umweltschutzes zurückzuführen. Bei weiteren 39 Arten wurde zumindest eine Stabilisierung festgestellt.

Die Rote Liste gibt Auskunft über alle 117 in Deutschland vorkommenden Säugetierarten. Zehn erfasste Arten sind in Deutschland ausgestorben oder verschollen, etwa der Große Tümmler und das Europäische Ziesel. Um den Artenrückgang aufzuhalten, sei "auf breiter Fläche eine naturverträglichere Land- und Forstwirtschaft", erforderlich, sagte Jessel.

sug/dpa
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