Russischer Fischer Netz-Monster

Bei einem Fischer aus Russland landen immer wieder gruselige Kreaturen im Netz. Er fotografiert sie und postet die Bilder im Internet. Doch woher kommen die seltsamen Wesen?

Fotos von russischem Fischer
Instagram/ Roman Fedortsov

Fotos von russischem Fischer

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Möchte man den Job von Roman Fedortsov haben? Wohl eher nicht. Denn der Fischer, der auf einem Trawler arbeitet, der in Murmansk seinen Heimathafen hat, ist häufig weg von zu Hause. Dazu ist es in dem harten Job wohl nötig, zu penetrantem Fischgeruch ein möglichst entspanntes Verhältnis zu haben.

Doch in seinem Fall kommt auch noch ein weiterer Umstand dazu, der so manchen abschrecken dürfte: Fedortsov findet in seinem Netz häufig Kreaturen, die so furchterregend aussehen, dass sie direkt aus der Unfallabteilung eines Genlabors für Meeresforschung stammen könnten. Da sind Fische mit riesigen Augen und einem Schwanz, der an eine Ratte erinnert. Oder ein schwarzes Wesen mit einem Monsterkiefer - es könnte ein Kreuzung aus Insekt und Fisch sein. Auch ein Monster, das verdächtig an die "Alien"-Filme erinnert, ist dabei.

Doch statt sich die Viecher vom Leib zu halten, greift sich Fedortsov die Tiere, zückt sein Smartphone und macht ein kleines Erinnerungsfoto, das er im Internet postet. Um wen oder was es sich dabei handelt, weiß Fedortsov offenbar selbst nicht immer so genau. "Ich hoffe, das ist nicht giftig", schreibt er über einen Fisch.

Doch dass die Fotos die Menschen interessieren, das weiß er.

Denn mit der Veröffentlichung stieg die Zahl seiner Twitter-Follower rapide, inzwischen folgen ihm über 48.000 Menschen. Seit den ersten Medienberichten bekommt er so viele Anfragen, dass sie seine Kapazitäten übersteigen und er sie alle nicht mehr beantworten kann, wie er schreibt. Deshalb ist auch nicht bekannt, ob die Tiere vielleicht noch leben, wenn sie vor Fedortsov Linse landen. Und wo er sie gefangen hat.

Doch um welche Tiere handelt es sich?

"Einige sind typische Tiefseefische. Vermutlich wurde sie in über 1000 Metern Tiefe gefangen", sagt Katja Mintenbeck vom Alfred Wegener Institut. Die Meeresbiologin, die am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften arbeitet, kann nicht mit letzter Sicherheit sagen, um welche Tiere es sich genau handelt. Dafür ist eine Analyse nur über Fotos zu unsicher. Doch sie hat recht klare Vermutungen. Das Wesen, was die meisten wohl für ein Insekt halten, könnte ein Barten-Drachenfisch sein, sagt sie. Die Tier besitzen Leuchtorgane, die teileweise in Mund- und Kiemenhöhle verborgen sind.

Bei diesem Exemplar unten handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Tiefseeanglerfisch. Davon gibt es viele verschiedene Arten. Sie leben in Meerestiefen bis zu 4000 Metern. Typisch für die Art ist ein Leuchtorgan, das an einem Fortsatz vor dem Maul der Tiere hängt - vermutlich um Beute anzulocken.

Dieser Fisch besitzt ein Maul mit raspelartigen Zähnen - zudem in einer beeindruckenden Farbe. "Das ist mir großer Wahrscheinlichkeit ein Kragenhai", sagt Mintenbeck - dabei handelt sich um eine Tiefseeart. Typisch für Haie sind die hintereinandersitzenden Zahnreihen. Die Art gilt als sehr alt, deshalb wird sie auch als "lebendes Fossil" bezeichnet.

Auch dieser Fisch verfügt über gewaltige Zähne. Mintenbeck vermutet eine Schlangenmakrele. Aber die Arten erreichen sehr unterschiedliche Größen - von knapp 20 Zentimeter bis zwei Meter Länge. Deshalb könne man nicht genau sagen, wie groß das Tier auf dem Foto tatsächlich sei, sagt die Meeresbiologin.

Mal eine Variante mit Farbe - wohl ein Rotbarsch. Die Tiere schwimmen noch ein einer Tiefe von bis zu 1000 Metern, sind aber am häufigsten zwischen 100 und 500 Meter Wassertiefe zu finden.

Was aussieht wie der furchteinflößende Kiefer aus den "Alien"-Filmen von Regisseur Ridley Scott, ist tatsächlich wohl eine Chimärenart, auch Seekatzen genannt. Dieser Knorpelfisch (unten in der Draufsicht) ist mit Haien und Rochen verwandt. Zu der Gruppe gehört auch der Geisterhai.

Selbst diese Asselspinne nimmt Fedortsov in die Hand. Sie kommt besonders im Südpolarmeer vor.

Bei diesen Fischen handelt es sich wohl um Seehasen. Sie haben eine zu einer Saugscheibe umgewandelte Bauchflosse. So können sie sich an Felsen und am Grund festsaugen.

Mischung aus Ratte und Fisch? Fast. Diese hier ist wohl ein Grenadierfisch. Er wird aber auch Rattenfisch genannt. Die Tiere kommen in Tiefen von bis zu 6000 Metern vor.

Alle Fotos von Fedortsov ließen sich aber nicht zuordnen. Es wäre denkbar, dass sogar eine bisher unbekannte Art dabei ist, glaubt die Biologin. "Wir wissen ja fast mehr über das Weltall als aus vielen Bereichen der Tiefsee." Gerade kleinere Lebewesen seien immer noch sehr schlecht erfasst. "Da wird es noch viele Entdeckungen geben", sagt sie. Vielleicht wird also mal irgendwann ein Fisch nach Roman Fedortsov benannt.

Doch die Bilder haben auch eine Schattenseite. Denn die Tiefseefischerei steht generell in der Kritik. Weil Fischbestände weltweit immer knapper werden, wird auch in diesem Bereich des Meeres immer öfter nach Speisefischen gesucht. Doch gerade in Dunkelheit und Kälte wachsen die Lebewesen nur langsam. Die Auswirkungen der systematischen Fischerei sind in diesem Bereich also noch schwerwiegender.

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insgesamt 12 Beiträge
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joe_ 22.12.2016
1. Murmansk
war doch einer der Heimathäfen der sowjetischen UBoot-Flotte. Die immer noch im Hafen liegenden Wracks mit Atomreaktor könnten auch die Ursache für diese Kreaturensein.
foxpwn 22.12.2016
2.
Besagter Twitter Account bietet einen interessanten Einblick in die Fischereiindustrie. Jetzt ist mir erstmal der Appetit auf Fisch vergangen. Die hier gezeigten Kreaturen sind zudem wohl ein Beleg dass dort in größte Tiefen gefischt wird - was in Anbetracht des sensiblen Ökosystems dort unten meiner Meinung nach zurecht verboten gehört!
peter_freiburg 22.12.2016
3. streng genommen
Zitat von foxpwnBesagter Twitter Account bietet einen interessanten Einblick in die Fischereiindustrie. Jetzt ist mir erstmal der Appetit auf Fisch vergangen. Die hier gezeigten Kreaturen sind zudem wohl ein Beleg dass dort in größte Tiefen gefischt wird - was in Anbetracht des sensiblen Ökosystems dort unten meiner Meinung nach zurecht verboten gehört!
Streng genommen sollten sie gar keinen Fisch mehr essen. Habe neulich gehört, dass Karpfen einer der letzten Sorten sein soll, die man ruhigen Gewissens essen kann (in Bezug auf Überfischung und Bedrohung des Bestandes).
mapcollect 22.12.2016
4. Ab in den Müll
Jede dieser faszinierenden Kreaturen wird nach dem Foto von Fedortsov in den Müll geworfen. In diesen Tiefen nach Speisefischen zu fischen ist eine extrem umweltschädliche Schweinerei. Wo bleibt der #Aufschrei ?
zerr-spiegel 22.12.2016
5. Aqua-Kultur
Fische aus Aquakultur sind generell ok. Dazu gehören Karpfen, Forellen und Lachs. Ob die Qualität gut ist, das ist wieder was anderes. Norwegischer Lachs ist eine ungeheuere Umweltverschmutzung. Forellen und Karpfen aus D sind in der Regel ok.
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