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18. Februar 2019, 17:04 Uhr

Luftverschmutzung

In Sibirien liegt schwarzer Schnee

Weiße Pracht? Von wegen. In Teilen Russlands liegt schwarzer Schnee. Umweltschützer haben bereits eine Erklärung für das Phänomen.

Der Blick aus dem Auto ist ziemlich trübe. Es sieht aus, als hätte der Ascheregen eines Vulkanausbruchs die Landschaft unter einer schwarzen Schicht begraben. Vom Weiß des Schnees, der in einigen Städten im Süden des russischen Kusnezker Beckens auf den Straßen liegt, ist nicht mehr viel zu sehen - er hat eine schwarzgraue Färbung angenommen.

Die Bilder, die Medien aus der Region nun veröffentlicht haben, werden von Usern intensiv diskutiert. "Sieht so der Schnee in der Hölle aus?", zitiert die "Siberian Times" einen Kommentar zu den verbreiteten Fotos und Videos.

Laut Umweltschützern entsteht der schwarze Schnee in der Region in Westsibirien vor allem durch Kohlestaub. Im Kusnezker Becken liegt Russlands Steinkohlerevier. Die Kohle aus dem Tagebau wird zudem in offene Eisenbahnwagons verladen, das verschärfe das Staubproblem noch. Zudem liegen die Abbaugebiete nahe der Ortschaften. Auch Schwerindustrie hat sich im Verwaltungsbezirk Kemerowo angesiedelt.

"Im Winter ist es schwieriger, weißen Schnee als schwarzen zu finden", sagt Vladimir Slivyak von der Umweltschutzorganisation Ecodefense im "Guardian". Der Kohlestaub sei das ganze Jahr in der Luft, durch den Schnee werde er besonders gut sichtbar. Problematisch sei zudem, dass sich auch Schwermetalle von Industrieemissionen in hohen Konzentrationen in der Luft befinden.

Laut der "Siberian Times" könne derzeit ein weiteres Problem die starke Luftverschmutzung verschärft haben. Möglicherweise sei ein Filter in einer lokalen Fabrik ausgefallen. Auch das hohe Verkehrsaufkommen spiele eine Rolle, heißt es.

Dass Dreck und Staub Schnee und Eis dunkel färben, ist auch aus anderen Industrieregionen der Welt bekannt. Zudem haben sich auf Teilen von Grönlands Eisschild bereits erhebliche Mengen schwarzer Fläche gebildet. Hier hat sich neben Industrieemissionen beispielsweise Ruß von Waldbränden aus der Atmosphäre abgelagert. Laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr schmilzt das dunkle Eis sehr viel schneller als strahlend weißer Schnee. Der Grund: Dreckiges Eis reflektiert weniger Licht, sodass die Oberfläche mehr Energie aufnimmt.

joe

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