Bedrohte Art Sägerochen bekommen Nachwuchs ohne Sex

Wenn die Männerauswahl kleiner wird, pflanzen sich einige vom Aussterben bedrohte Sägerochen per Jungfernzeugung fort. Retten kann das Phänomen die Art allerdings nicht.

Junger Schwertfisch: Männchen - brauchen wir nicht
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Junger Schwertfisch: Männchen - brauchen wir nicht


Vaterlose Sägefische: Weibchen einer großen Rochenart können sich ohne Paarung fortpflanzen. Das haben Erbgutanalysen in einem Mündungsgebiet in Florida gezeigt, berichten Forscher im Fachmagazin "Current Biology". Es sei das erste Mal, dass bei wildlebenden Wirbeltieren per Jungfernzeugung entstandener Nachwuchs bei einer Art gefunden wurde, die sich normalerweise sexuell vermehrt.

Entdeckt haben die Forscher das Phänomen zufällig: Eigentlich wollten Demian Chapman von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York und Kollegen herausfinden, wie verbreitet Inzucht unter Sägerochen der Art Pristis pectinata ist. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht und die Auswahl möglicher Partner daher eingeschränkt.

Doch statt Inzucht entdeckten die Forscher, dass sich einige Rochen ohne Partner fortgepflanzt hatten: Gut drei Prozent der 190 untersuchten Sägefische waren durch Jungfernzeugung entstanden. Bei dieser sogenannten Parthenogenese wachsen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen heran, ein männlicher Geschlechtspartner wird nicht benötigt.

Jungfernzeugung vor allem aus Zoos bekannt

Hinweise, dass sich auch höher entwickelte Lebewesen durch Jungfernzeugung vermehren können, gab es bislang vor allem von Vögeln, Reptilien und Haien in Gefangenschaft: Einzeln gehaltene Weibchen hatten plötzlich Nachwuchs bekommen.

Im Leipziger Zoo zum Beispiel war 2012 ein Kalifornischer Schwellhai zur Welt gekommen, dessen Mutter in den zehn Jahren zuvor allein gelebt hatte. Im Karlsruher Naturkundemuseum hatte das Bambushai-Weibchen "Mariechen" mehrfach Eier, ohne seine kleine Wasserwelt mit einem männlichen Hai zu teilen.

Häufig ist eine Jungfernzeugung bei Wirbeltieren allerdings mit schweren Schäden beim Nachwuchs oder schon bei den Embryonen verbunden. Potenziell schädliche Mutationen sammeln sich über Generationen im Erbgut solcher Tiere an und machen sich in Form von Krankheiten bemerkbar.

Die gängige Annahme sei daher, dass aus Jungfernzeugungen kaum lebensfähige Nachkommen hervorgehen, erläutern die Forscher um Chapman. Erst Mitte Mai hatte eine Studie mit Käfern gezeigt, warum Männchen und damit auch die sexuelle Fortpflanzung wichtig für die Gesundheit einer Art sind.

Gesund trotz Jungfernzucht

Die sieben nun entdeckten vaterlosen Sägerochen-Weibchen erfreuten sich jedoch offensichtlich bester Gesundheit. Alle seien markiert worden, um ihren weiteren Lebensweg verfolgen zu können, schreiben die Forscher.

Wie häufig Jungfernzeugungen auch bei anderen Wirbeltierarten in freier Wildbahn vorkommen, ist unklar. Gelegentliche Parthenogenese könnte in Wildtierpopulationen weit häufiger sein als bislang gedacht, glauben die Forscher. Möglicherweise werde dieser Reproduktionsweg vor allem in sehr kleinen oder schwindenden Beständen genutzt.

Keine Rettung vor dem Aussterben

Mit dem Ausweichen auf Parthenogenese könne Pristis pectinata ihr Aussterben vielleicht etwas hinauszögern, berichten die Wissenschaftler. Verhindern lasse sich ein mögliches Aus für die Sägerochen damit aber nicht - auch weil die Zahl der durch Jungfernzeugung entstandenen Tiere insgesamt gering ist. Schätzungen zufolge ist die weltweite Population inzwischen auf ein bis fünf Prozent der Bestandszahlen von 1900 geschrumpft.

Die Tiere verenden häufig als Beifang - vor allem, weil sie sich mit dem Maul in den Netzen verheddern. Zudem werden die Sägen als Trophäen gesammelt und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet.

jme/dpa



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