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Bewegungsstudie: Säugetiere werden vom Menschen eingeengt

Foto: Giraffe Conservation Foundation

Bewegungsstudie Wie Tiere unter dem Menschen leiden

Viele Landsäugetiere müssen weite Strecken zurücklegen. Doch der Mensch engt ihre Bewegungsfreiheit ein. Das hat auch Auswirkungen auf die Umwelt.

Tiere legen in einer vom Menschen geprägten Umgebung deutlich weniger Strecke zurück als in naturbelassener Wildnis. Das fanden Forscher in einer groß angelegten Studie heraus.

Die mehr als 100 Wissenschaftler hatten 803 einzelne Tiere verschiedener Arten mit GPS-Sendern ausgestattet und über mindestens zwei Monate ein Bewegungsprofil erstellt. Das berichtet das internationale Forscherteam um Marlee Tucker vom Frankfurter Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum im Magazin "Science"  .

Die Daten der Tiere glichen die Forscher mit dem sogenannten Human Footprint Index (HFI) ab. Dieser gibt an, wie sehr ein Landstrich beispielsweise durch Siedlungen, Straßen oder Landwirtschaft beeinflusst ist. Der HFI reicht dabei von 0, beispielsweise in unberührten Feuchtgebieten in Brasilien, bis 50 in stark bebauten Städten wie New York City.

Zwei Effekte für geringere Bewegung

Über alle Arten betrachtet bewegten sich die Landsäuger in vom Menschen geprägten Gebieten im Schnitt nur ein Drittel bis halb so weit wie in unberührter Natur. Dafür machen die Forscher zwei Effekte verantwortlich.

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Bewegungsstudie: Säugetiere werden vom Menschen eingeengt

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So würden zum einen Tiere wie Zebras, Löwen oder Elefanten, die große Lebensräume benötigten, in dichter besiedeltes Gebiet schlicht nicht mehr vorstoßen. Das schlage sich dann in der Statistik nieder.

Zum anderen würden Tiere, die sich nicht gänzlich abschrecken ließen, in vom Menschen beeinflussten Regionen geringere Strecken zurücklegen. "In einigen dieser Gebiete gibt es teilweise ein besseres Futterangebot, daher müssen die Tiere nicht mehr weite Strecken auf sich nehmen, um satt zu werden. Außerdem schränken Straßen und die Zerstückelung der Lebensräume vielerorts die Tiere in ihrer Bewegung ein", sagt Studienleiter Thomas Müller laut einer Mitteilung seines Instituts.

57 Arten untersucht

Den Forschern zufolge ist die Untersuchung die bislang weitreichendste ihrer Art. Die beobachteten Säugetiere gehörten 57 verschiedenen Arten an. "Von Hasen über Wildschweine bis hin zu Elefanten", schreibt Erstautorin Marlee Tucker.

So lieferte Bruce Patterson vom Field Museum in Chicago beispielsweise Daten zu drei Löwen, die er vor einigen Jahren genauer untersucht hatte. Eine dieser Raubkatzen durchstreifte dabei ein Gebiet von 1400 Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der halben Fläche des Saarlands. "Alle Lebewesen brauchen Platz", sagt Patterson laut einer Mitteilung des Field Museums. Nur so könnten sie beispielsweise genug Nahrung und Partner für die Paarung finden.

Den Forschern zufolge sind geschätzte 50 bis 70 Prozent der Landfläche auf der Erde momentan durch den Menschen beeinflusst. Den Ergebnissen der Studie zufolge sind die Tiere dort nicht generell langsamer unterwegs, sondern legen über einen längeren Zeitraum betrachtet weniger Strecke zurück.

Die eingeschränkte Bewegung hat nicht nur Auswirkungen auf die Tiere selbst, sondern auch auf ihre Umwelt. Denn wandernde Säuger sorgen unter anderem dafür, dass Pflanzensamen und auch Nährstoffe über weitere Strecken transportiert werden.

Zudem jagen beispielsweise große Raubtiere kleine Pflanzenfresser und sorgen so für ein natürliches Gleichgewicht. "Wenn sich Tiere weniger bewegen, könnten sich viele dieser Prozesse in Ökosystemen verändern", sagt Tucker.

Valentin Frimmer, dpa/brt
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