Nach Temperaturanstieg Heuschrecken fallen über Felder auf Sardinien her

Ein kühler Mai, dann ein warmer Juni - und plötzlich vermehren sich auf der italienischen Insel Sardinien die Heuschrecken in großer Menge. Der Norden Italiens wird gleichzeitig von anderen Schädlingen heimgesucht.

Coldiretti/ REUTERS

Im Grundsatz sind Heuschrecken in den Sommermonaten nicht unbedingt etwas Besonderes für die Bewohner der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien. Doch das, was sich da gerade in der Provinz Nuoro abspielt, hat offenbar durchaus historische Dimensionen. Der Bauernverband Coldiretti berichtet von einer Heuschreckenplage, die mindestens 25 Quadratkilometer Weideland erfasst habe.

Nach Angaben lokaler Bauern sind es so viele Tiere wie seit 70 Jahren nicht mehr. Betroffen sei ein Landstrich zwischen den kleinen Orten Ottana und Orani. Dass so viele Heuschrecken auf einmal auftreten, hängt nach Angaben von Coldiretti mit einem plötzlichen Temperaturanstieg auf Sardinien zusammen, der auf einen relativ kalten Mai folgte. Die Heuschrecken seien daraufhin massenhaft aus ihren Eiern geschlüpft. Eine Lösung im Kampf gegen die Plage ist dem Verband zufolge derzeit nicht in Sicht.

Die Heuschrecken legen ihre Eier normalerweise im Herbst in kleinen Löchern im Boden ab. Zwischen Mai und Juli reifen diese dann heran. Je besser die Bedingungen für die Tiere sind, desto mehr Heuschrecken können sich tatsächlich entwickeln. Neben dem Temperaturanstieg im Juni könnte Fachleuten zufolge auch die große Zahl brachliegender Felder auf Sardinien die Heuschreckenplage begünstigt haben. Dort konnten sich die Insekten zunächst in Ruhe entwickeln - um dann über bestelltes Land herzufallen.

Wanzen bedrohen Obstanbau im Norden

Die Zeitung "Il Messagero" berichtet, dass aktuell 20 Bauernhöfe von der Plage betroffen seien. Die Zahl werde aber stetig steigen. Zitiert wird unter anderem der Landwirt Luigi Puggioni. Ihm hätten die Heuschrecken das Futter für seine 60 Kühe und 200 Schafe weggefressen. Dabei sei ein "enormer wirtschaftlicher Schaden" entstanden.

Dem Bericht zufolge sei das Problem ab Mai aufgetreten und werde mindestens bis zum August dauern. Landwirt Pasqualino Puggioni erklärte, beim Bauernverband Coldiretti habe man ihm erklärt, derzeit könne man nichts gegen die Plage tun. Nun solle die regionale Politik helfen und die Bauern zumindest für einen Teil ihrer Verluste entschädigen.

Aus Norditalien wird unterdessen die Invasion eines anderen Schädlings gemeldet. Konkret geht es um die eigentlich aus Asien stammende Marmorierte Baumwanze. Sie ist in den vergangenen Jahren unter anderem auch schon in Süddeutschland aufgetreten. Die Tiere saugen an Früchten und Fruchtanlagen, unter anderem von Pfirsichen, Kirschen, Aprikosen, Äpfeln und Kiwis.

Dadurch werden die Früchte deformiert und verfärben sich, Bauern können sie nicht mehr verkaufen. In den betroffenen Landstrichen könnten bis zu 40 Prozent der Ernte beschädigt sein, berichtet "Il Messagero".

Laut Coldiretti könne ein einziges weibliches Tier zwei Mal pro Jahr 300 bis 400 Eier legen. Auch hier hätten ungewöhnlich hohe Temperaturen dazu geführt, dass sich die Wanzen ausgebreitet haben.

chs/AFP/Reuters



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