Satellitenbild aus Italien So stark hat das Beben den Boden bewegt

Ein neues Satellitenbild zeigt, wie stark das schwere Erdbeben Mittelitalien durchgeschüttelt hat. Der Boden in einem 130 Quadratkilometer großen Gebiet wurde bis zu 70 Zentimeter verschoben.

Radarbild des italienischen Erdbebengebiets
Copernicus Sentinel/ ESA/ CNR-IREA

Radarbild des italienischen Erdbebengebiets


Diesmal war es ein Erdstoß der Stärke 4,8. Ein weiteres Erdbeben hat am frühen Donnerstagmorgen die Menschen in Mittelitalien aufgeschreckt. Das Epizentrum des Erdstoßes der Stärke habe in der Provinz Macerata gelegen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Berichte über Notfälle oder größere Schäden gab es nach Angaben der italienischen Zivilschutzbehörden zunächst nicht.

Mittelitalien ist in den vergangenen Tagen von einer Serie von 1100 Erdbeben erschüttert worden. Fast 20 davon hatten eine Stärke von mehr als vier, teilte die nationale Erdbebenwarte mit. Es handelt sich um Nachbeben nach dem verheerenden Erdstoß am Sonntag, der schwere Schäden angerichtet hatte. Dieser hatte eine Stärke von 6,5. Es war eines der stärksten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte in Italien.

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Erdbebenserie: Italien in Angst

Bilder der europäischen "Sentinel"-Satelliten zeigen nun, wie stark der Boden in der betroffenen Region durch das Beben tatsächlich deformiert wurde. Italienische Forscher haben dafür eine Radaraufnahme von "Sentinel-1B" von Ende Oktober mit einer von "Sentinel 1-A" aus dieser Woche verglichen. Dabei zeigte sich, dass sich der Grund durch die Erdstöße teilweise um bis zu 70 Zentimeter verschoben hat. Insgesamt 130 Quadratkilometer seien von den Bodenbewegungen betroffen, so die Wissenschaftler.

Das Beben vom Sonntag hatte historische Ortschaften wie Norcia und zahlreiche Kulturgüter zerstört. Viele Gemeinden wurden nahezu vollständig in Schutt und Asche gelegt. Etwa 20 Menschen wurden laut offiziellen Angaben verletzt - einige von ihnen schwer. Tausende Menschen verloren ihr Heim. Glück im Unglück: Viele Menschen waren wohl absichtlich nicht zu Hause - weil sie durch die vielen vorherigen Beben in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gewarnt waren.

Gebirgiges Bebengebiet bei Norcia: Gelbe Linien zeigen Gesteinsnähte, an denen es beben kann - weitere dürften unentdeckt sein.
Temblor.net

Gebirgiges Bebengebiet bei Norcia: Gelbe Linien zeigen Gesteinsnähte, an denen es beben kann - weitere dürften unentdeckt sein.

In der Gegend gibt es eine fatale Kettenreaktion, die vermutlich vom Beben von L'Aquila 2009 ausgelöst wurde. Grund sind die geologischen Verhältnisse im Boden. Jedes Mal, wenn die Erde an einer Stelle bebt, löst sich zwar dort der angestaute Druck im Untergrund - aber woanders werden die Belastungen größer. Entlang unterirdischer Gesteinsnähte wandern die Orte der Erdbeben dabei nach und nach. Im schlimmsten Fall droht ein sogenannter Erdbebensturm. Das ist eine Folge extremer Beben innerhalb von wenigen Jahren.

REUTERS

chs/dpa

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