Satellitenbild der Woche Eisrekord in der Antarktis

Im Norden taut es, im Süden friert es: Forscher haben in der Antarktis einen neuen Rekordwert für die Ausdehnung von Meereis gemessen. Warum die weiße Pracht dort zulegt, während sie in der Arktis rasant schwindet, ist ein Rätsel.
Antarktis: Die Ausdehnung des Meereises (weiß) hat am 22. September einen Rekord erreicht. Die gelbe Linie zeigt den Median der Jahre 1981 bis 2000. Schelfeis ist grau dargestellt.

Antarktis: Die Ausdehnung des Meereises (weiß) hat am 22. September einen Rekord erreicht. Die gelbe Linie zeigt den Median der Jahre 1981 bis 2000. Schelfeis ist grau dargestellt.

Foto: NASA

Ist vom Eis an Nord- und Südpol die Rede, dann meist im Zusammenhang mit Tauwetter, ausgelöst durch die globale Erwärmung. Allerdings hat sich das Meereis in der Antarktis - ganz im Gegensatz zu dem in der Arktis - bisher als erstaunlich robust erwiesen. Neue Messungen haben das nun bestätigt. Wie die US-Weltraumbehörde Nasa mitteilt, hat sich das Meereis in der Antarktis Ende September über eine Fläche von 19,47 Millionen Quadratmeter erstreckt. Das sei der höchste Wert seit Beginn der Messungen.

Das Ergebnis basiert auf Daten des Advanced Microwave Scanning Radiometer 2 (AMSR2) an Bord des japanischen Satelliten "GCOM-W1". "Das Winter-Maximum hat im zweiten Jahr in Folge einen Rekord aufgestellt", sagte Walt Meier, Meteorologe am Goddard Space Flight Center der Nasa. Er schränkte allerdings ein, dass es keineswegs ein rasantes Wachstum gebe: Der jetzt gemessene Höchstwert liege lediglich 3,6 Prozent über dem durchschnittlichen Maximalwert der Jahre 1981 bis 2010. "In diesem Jahr ragt der Eisrand deshalb nur 35 Kilometer weiter aufs Meer hinaus als in einem durchschnittlichen Jahr", sagte Meier.

Zudem sagt die reine Ausdehnung des Meereises nicht unbedingt etwas über das Volumen des Eises aus, denn das hängt auch von der Dicke der gefrorenen Schicht ab. Und der weitaus größte Teil der antarktischen Eismasse liegt auf dem Land - und dort hat das Eis in den vergangenen Jahren insgesamt abgenommen, insbesondere in der Westantarktis.

Warum aber das Meereis zunimmt, ist ein Rätsel. Wissenschaftler vermuten, dass eine Veränderung der Luftströmungen den antarktischen Meereis-Anstieg der vergangenen Jahrzehnte zu großen Teilen erklären könnte. Weitere Spekulationen besagen, dass Meeresströmungen kühleres Oberflächenwasser in die Antarktis führen oder dass das Schmelzwasser des Schelfeises, das durch gewaltige Kanäle im Eis fließt, die Temperatur des Oberflächenwassers senkt.

mbe
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