Satellitenbild der Woche Der Sandfächer des braunen Riesen

Eine Flussmündung so groß wie Brandenburg: Beim Eintauchen der Wolga ins Kaspische Meer rieseln gewaltige Mengen Sand herab, sie bilden ein riesiges Flussdelta. Ein aktuelles Satellitenbild dokumentiert, dass sich der gewaltige Schwemmfächer verlagert - Küstenbewohner sind in Sorge.

Wolga-Delta: Sand aus dem Hinterland
ESA

Wolga-Delta: Sand aus dem Hinterland


Ein langer brauner Riese schlängelt sich 3700 Kilometer durch die Weiten Russlands: Die Wolga, einer der größten Ströme der Erde, entwässert im Süden des Landes ins Kaspische Meer. Beim Eintauchen ins Meer wird der Fluss jäh gebremst, so dass seine Sandfracht zu Boden fällt. Es sind gigantische Partikelmengen, die Regen zuvor in die Wolga gespült hatte. Die Körner legen sich als 160 Kilometer breiter Fächer vor die Flussmündung - das Wolga-Delta bedeckt eine Fläche so groß wie Brandenburg.

Das Delta ist in Bewegung. Entlang Hunderter kleiner Wasseradern verlagert sich der Sand. In den vergangenen Jahrzehnten wuchs der Schwemmfächer kontinuierlich. Ursache war das Anschwellen des Meeres, es flutete die Küste. Ein aktuelles Satellitenbild der Europäischen Raumfahrtagentur Esa dokumentiert die Veränderungen von April bis Juni: Die Farben zeigen Bereiche, in denen sich vermehrt Sand abgelagert hat, oder denen Sand entzogen wurde (eine Skala hat die Esa nicht veröffentlicht).

Um die Veränderungen sichtbar zu machen, haben Wissenschaftler der Esa Radarbilder des Satelliten "Envisat", die im Laufe der drei Monate gemacht wurden, übereinander gelegt. Die Unterschiede der Bilder zeigen Veränderungen im Bodenrelief: Verlängert sich die Zeit, die die Radarwellen vom Satelliten zur Erde benötigen, hat sich der Boden gesenkt. Auf den Computerkarten entsteht ein farbiges Muster sich überlagernder Radarwellen.

Mit Sorge verfolgen die Anwohner die rapiden Veränderungen der Küste; das Meer dringt weiter vor. Die Hoffnung der Bewohner ruht auf der Sedimentfracht der Wolga: Schwemmt der Fluss genügend Sand ins Delta, könnten natürliche Barrieren gegen die Fluten entstehen - je nachdem, wohin sich das Wolga-Delta verlagert.

boj



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