Satellitenbild der Woche Die Wunden der Wüste

Millionen Tonnen Metall verschlingt die Weltwirtschaft Jahr für Jahr. Ein aktuelles Satellitenbild zeigt, welche Anstrengungen inzwischen notwendig sind, um den Bedarf zu stillen: Mitten in der chilenischen Atacama-Wüste klaffen Löcher, die selbst aus dem All gut zu erkennen sind.

Absetzbecken der Kupfermine "Escondida": Die Linie links im Bild ist ein Staudamm, das weiße Gestein ist Abraum aus der weiter nördlich gelegenen Mine
NASA

Absetzbecken der Kupfermine "Escondida": Die Linie links im Bild ist ein Staudamm, das weiße Gestein ist Abraum aus der weiter nördlich gelegenen Mine


In der Kupfer-, Gold- und Silbermine "Escondida" wird mehr Kupfer zutage gefördert als irgendwo sonst in der Welt. Allein 2007 waren es nach Angaben der europäischen Weltraumbehörde Esa fast 1,5 Millionen Tonnen, was nahezu einem Zehntel der globalen Produktion entspricht. Die Mine liegt 3000 Meter über dem Meeresspiegel und 170 Kilometer südöstlich der chilenischen Hafenstadt Antofagasta - in einem der trockensten Gebiete der Welt, der Atacama-Wüste.

Das Foto, aufgenommen von Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS, zeigt nicht nur die beeindruckende Landschaft der Atacama - sondern auch, dass sich die Suche nach den knapper werdenden Industriemetallen zunehmend schwierig gestaltet. Insbesondere die explodierende Nachfrage aus China hat die Situation verschärft.

Die Mine trägt ihren Namen nicht umsonst: "Escondida" bedeutet auf Spanisch "die Versteckte". Das Kupfer lag einst unter einer hunderte Meter dicken Felsschicht, so dass an der Oberfläche kein Zeichen des Schatzes in der Tiefe sichtbar war. Gefunden wurde es erst im Rahmen eines groß angelegten Bohrprogramms: Entlang einer mehrere hundert Kilometer langen Linie, die durch bereits erschlossene Kupfervorkommen führte, wurden Bohrungen in die Tiefe getrieben. Auch "Escondida" lag auf dieser Linie und wurde 1990 eröffnet.

Bei den Schürfarbeiten fallen gewaltige Mengen Abraum an - Das Ergebnis ist sogar aus dem All zu erkennen. Das Astronautenfoto zeigt die Absetzanlage der weiter nördlich gelegenen offene Mine (siehe Karte links): In ihr landet das überschüssige Material, zunächst als grüne Flüssigkeit, die dann unter der intensiven Sonneneinstrahlung in der Atacama-Wüste trocknet. Zurück bleibt der weißgraue Abraum. Ein mehr als ein Kilometer langer Damm, erkennbar als dunkle Linie links im Bild, hält das Gestein zurück.

Das eigentliche Hauptprodukt der Mine sind Kupfer-Konzentrate, die als Flüssigschlamm mit Hilfe der Schwerkraft durch Röhren in die Hafenstadt Coloso gelangen. Dort werden sie entwässert und verschifft.

mbe

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