Satellitenbild der Woche Rauchfahne über Südamerika

Jahrtausende schlummerte der Chaitén friedlich vor sich hin - bis der Vulkan vor einigen Tagen überraschend ausbrach. Die Behörden haben inzwischen die gesamte Region im Süden Chiles evakuiert. Ein Satellitenbild zeigt, wie die Rauchsäule ganz Südamerika überquert.


Santiago - Vor einer Woche hat der Ausbruch des Chaitén begonnen, und noch immer hat sich der Vulkan nicht beruhigt. Mittlerweile haben die Behörden das gesamte umliegende Gebiet vollständig evakuiert. Polizisten und Soldaten zwangen am Donnerstag die letzten noch verbliebenen rund 130 Menschen im Umkreis von 50 Kilometern um den Berg, ihre Häuser zu verlassen. In der Nacht zuvor hatte sich die Situation erneut verschärft: Am Chaitén war es zu heftigen Explosionen gekommen.

Am vergangenen Donnerstag ist der Vulkan seit mehreren tausend Jahren erstmals wieder ausgebrochen. Seitdem sind mehr als 7000 Menschen aus der Gefahrenzone geflohen. Ein Satellitenbild vom 5. Mai zeigt, dass sich die Asche des Vulkans über weite Teile Südamerikas verbreitet. Die Rauchfahne trieb nach Osten, erreichte die Atlantikküste Argentiniens und trieb danach viele Hundert Kilometer weit aufs Meer hinaus. Der Himmel über Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires verfärbte sich grau. Zwei argentinische Luftfahrtgesellschaften sagten wegen schlechter Sichtverhältnisse Flüge in mehreren Städten ab.

Die Fotos, die der Nasa-Satellit "Terra" mit seinem Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (Modis) aufgenommen hat, zeigen Südamerika im sichtbaren und infraroten Licht. Schon auf dem Bild, das nur im Bereich des sichtbaren Lichts aufgenommen wurde, ist zu erkennen, wie sich die graue Rauchwolke über die heller leuchtenden Wolken erhebt und einen dunklen Schatten auf sie wirft. Das Land südlich der Rauchfahne, die bis zu 17 Kilometer hoch reichte, ist von einem milchigen Ascheschleier bedeckt.

In einem weiteren Bild des "Terra"-Satelliten, das im sichtbaren und infraroten Bereich aufgenommen wurde, treten die Unterschiede zwischen der Rauchfahne, den Wolken und der Asche am Boden noch deutlicher hervor (siehe Fotostrecke). In unmittelbarer Nähe des Vulkans verschwand der Erdboden unter einer rund 15 Zentimeter dicken Ascheschicht, die Wasservorräte verschmutzte und Weiden bedeckte, so dass rund 25.000 Rinder vom Hungertod bedroht sind.

Die Eruption kam deshalb so überraschend, weil der Chaitén eigentlich als inaktiver Vulkan galt. Altersbestimmungen seiner letzten Lavaströme mit Hilfe der Radiokarbon-Methode hatten ergeben, dass sich der letzte Ausbruch vor etwa 9430 Jahren ereignet hat. Seine Geschichte weißt den Chaitén allerdings als äußerst gefährlichen Vulkan aus: Er ist wiederholt explosiv ausgebrochen, Lavakuppeln auf dem Berg sind zusammengebrochen, und es kam zu pyroklastischen Strömen. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus vulkanischem Gas, Asche und Lava, das mit bis zu 400 km/h den Berghang hinabrasen kann. Im Innern eines pyroklastischen Stroms entstehen Temperaturen von bis zu 800 Grad.

mbe/AP



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