Satellitenbild der Woche U-Boot-Schleuse zwischen Europa und Afrika

Die Meereenge von Gibraltar prägt Atlantik und Mittelmeer: Wassermassen beider Ozeane strömen übereinander, geraten in Wallung. Ein aktuelles Satellitenbild macht die Wellen sichtbar. Für U-Boote bieten die Strömungen einen Fluchttunnel.

Straße von Gibraltar: Meerenge zwischen Afrika und Iberischer Halbinsel
ESA

Straße von Gibraltar: Meerenge zwischen Afrika und Iberischer Halbinsel


Seeleute werden unruhig, wenn sie nach langer Reise die Straße von Gibraltar passieren: Land in Sicht, zu beiden Seiten! Die 14 Kilometer schmale Passage zwischen Afrika im Süden und der Iberischen Halbinsel im Norden beschleunigt Wind und Wasser zwischen Atlantischem Ozean und Mittelmeer wie eine Düse.

Das Wasser des Atlantiks ist leichter als das Mittelmeerwasser, denn es enthält weniger Salz. Das schwere Mittelmeerwasser sinkt ab, es strömt in der Tiefe in den Atlantik. Die gegensätzliche Richtung beider Strömungen nutzten U-Boot-Kapitäne im Zweiten Weltkrieg: Um die Blockade der Meerenge zu durchbrechen, ließen sie ihr Gefährt heimlich durchsacken - in der Tiefe ließen sie sich aus dem Mittelmeer in den Atlantik tragen.

Die Straße von Gibraltar sichert das Bestehen des Mittelmeers: Ohne den Zufluss aus dem Atlantik würde das Mittelmeer austrocknen - so wie vor sechs Millionen Jahren, als tektonische Kräfte die Straße von Gibraltar verengten.

Die strenge Wasserschichtung - Atlantik- über Mittelmeerwasser - bringt das Meer zum Schwingen: Die Gezeiten bringen den Ozean in Wallung, doch verschiedene Wassermassen bewegen sich unterschiedlich. An der Grenze zweier Wassermassen entstehen sogenannte interne Wellen, die an der Meeresoberfläche nicht sichtbar sind. Geraten U-Boote in diese Wellen, werden sie abgebremst.

An der Meeresoberfläche verändern die internen Wellen ganz leicht die Strömung, das Wasser verändert sich unmerklich. Satelliten können die Wellen aufspüren, indem sie die winzigen Unterschiede im Wellenbild des Wassers sichtbar machen. Instrumente an Bord des Satelliten "Envisat" der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa registrieren Radarwellen, die der Satellit zur Erde gefunkt hat. Kleinste Unebenheiten werden sichtbar - wie auf dem aktuellen Satellitenbild (siehe oben): Dort zeichnen sich die internen Wellen als gebogene Streifen ab.

Die unterschiedlichen Farben entstehen, weil das Bild das Ergebnis dreier Überflüge des Satelliten ist: Die drei Radarbilder wurden übereinander gelegt; Unterschiede im Meeresrelief werden als Farben gekennzeichnet. Die weißen Punkte auf den Kontinenten kennzeichnen die Lichter der Städte, die Seefahrer beim Passieren der Meerenge leiten.

boj



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