Satellitendaten Atlas enthüllt Gletscherströme in der Antarktis

Das Eis in der Antarktis nimmt andere Wege als gedacht: Daten aus 3000 Satelliten-Überflügen offenbaren erstmals, wie die Gletscher driften. Die Karte enthüllt regelrechte Eis-Rennbahnen - manche Eiszungen wälzen sich mehrere Meter pro Tag Richtung Meer.

Eisströme in der Antarktis: Mosaik aus Satellitenaufnahmen zusammengesetzt
dapd/ Science

Eisströme in der Antarktis: Mosaik aus Satellitenaufnahmen zusammengesetzt


Washington - Forscher haben die erste Karte der Eisbewegungen für die gesamte Antarktis erstellt. Das aus hunderten von Satellitenaufnahmen zusammengesetzte Mosaik schließt Lücken im Wissen der Eisforscher. "Bisher hatten wir für die gewaltige Fläche der Ostantarktis, die 77 Prozent des gesamten Kontinents einnimmt, keine brauchbaren Daten", berichten die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin "Science". Nur ein paar einzelne Eisbereiche im Küstenbereich seien erforscht gewesen. Ein umfassendes Bild der Fließwege und Eisgeschwindigkeiten in kontinentalem Maßstab liefere erst die neue Karte. Sie enthüllt, wie verästelt und komplex das Fließverhalten der Eismassen rund um den Südpol ist.

So nahmen viele der Gletscher auf ihrem Weg zur Küste einen ganz anderen Weg als bisher gedacht, berichten Eric Rignot von der University of California in Irvine und seine Kollegen. Für andere könne man nun erstmals sehen, aus welchen Gebieten im Inland ihr Eis stammt. "Dieser Blick auf die Eisbewegungen definiert unser Verständnis darüber neu, wie das Eis solcher Eiskappen fließt", sagen die Forscher. Das habe weitreichende Bedeutung für die Rekonstruktion und Vorhersage der Eisdecken-Entwicklung.

Die Eiskappe über dem Südpol enthält einen Großteil des gesamten Eisvorrats der Erde. Ihre Entwicklung prägt daher sowohl die globalen Klimamuster als auch das Auf und Ab der Meeresspiegel. Mit Hilfe der neuen Karte entdeckten die Forscher unter anderem einen zuvor unbekannten Grat, der sich einmal quer von Osten nach Westen durch den gesamten Kontinent zieht. Außerdem identifizierten sie zahlreiche neue "Zubringer", die das Eis vom Inland zu den Küstengletschern transportieren.

Auf Schmierseife Richtung Küste

Anders als bisher gedacht gleiten diese gewaltigen Eisströme dabei selbst im Kontinentinneren teilweise wie auf Schmierseife: Feuchtes Sediment, Schmelzwasser oder andere Gleithilfen lassen die Eisdecke an manchen Stellen besonders schnell rutschen, an anderen bremst ein rauerer Untergrund sie aus.

Dadurch bewege sich das Eis nicht so gleichförmig wie bisher angenommen, sondern je nach Ort sehr unterschiedlich, schreiben die Forscher. Durch das Gleiten seien die Eisströme von Küsten und Innerem weitaus enger miteinander verbunden als angenommen.

"Das ist eine entscheidende Information, um den zukünftigen Meeresspiegelanstieg vorhersagen zu können", sagt Thomas Wagner von der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die das Projekt finanzierte. "Wenn wir Eis an den Küsten verlieren, weil sich der Ozean erwärmt, dann öffnen wir dadurch auch den Hahn, der das Eis aus dem Inneren abfließen lässt."

Für die Karte kombinierten die Forscher Radardaten von fünf Satelliten verschiedener Raumfahrtagenturen, darunter auch "Envisat" von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Die insgesamt 900 daraus resultierenden Bildreihen deckten den Zeitraum der Jahre 2007 bis 2009 ab. Mehr als 3000 Erdumkreisungen absolvierten die Satelliten dafür.

Mit Hilfe der im Antarktis-Mosaik eingefangenen Fließmuster können Forscher nun besser vergleichen, wo das Eis langsamer oder schneller strömt. "Die gemessenen Eisgeschwindigkeiten reichen von wenigen Zentimetern bis zu einigen Kilometern pro Jahr", schreiben die Forscher. Das entspreche einer Spannbreite von fünf Größenordnungen. Manchen Gletschern könnte man demnach mit bloßem Auge beim Fließen zusehen - die wälzen sich pro Tag mehrere Meter weit.

boj/dapd



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
fx33 19.08.2011
1.
"Ostantarktis" Soso. Kann mir die mal jemand auf der Karte zeigen?
Nonvaio01 19.08.2011
2. anders als gedacht?
Zitat von sysopDas Eis in der Antarktis nimmt andere Wege als gedacht:*Daten aus 3000 Satelliten-Überflügen offenbaren erstmals, wie die Gletscher genau driften. Die Karte enthüllt regelrechte Eis-Rennbahnen - manche Eiszungen wälzen sich mehrere Meter*pro Tag Richtung Meer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,781138,00.html
Na dann muessen halt die ganzen Klimaforscher wieder umdenken. Wie ich schon mehrmals betont habe, koennen wir keine vorraussagen machen, da wir nicht alle faktoren zu 100% kennen. Es wird also gedacht und nicht geforscht und bewiesen bis kein zweifel mehr besteht....danke fuer die ehrliche aussage.
Spiegeluniversum 19.08.2011
3. -_-
Zitat von fx33"Ostantarktis" Soso. Kann mir die mal jemand auf der Karte zeigen?
Bitte schön: http://maps.google.com/?ll=-68.911005,71.894531&spn=32.429487,107.138672&t=h&z=4&vpsrc=6
Spiegeluniversum 19.08.2011
4. -_-
Zitat von Nonvaio01Na dann muessen halt die ganzen Klimaforscher wieder umdenken. Wie ich schon mehrmals betont habe, koennen wir keine vorraussagen machen, da wir nicht alle faktoren zu 100% kennen. Es wird also gedacht und nicht geforscht und bewiesen bis kein zweifel mehr besteht....danke fuer die ehrliche aussage.
In der Wissenschaft geht es genau darum, neues herauszufinden, und nicht darum, Vorurteile zu bestätigen.
Nonvaio01 19.08.2011
5. genau mein reden
Zitat von SpiegeluniversumIn der Wissenschaft geht es genau darum, neues herauszufinden, und nicht darum, Vorurteile zu bestätigen.
genau das meine ich ja. Immer wenn hier im forum etwas ueber Weltklima vorhersagen geschrieben wird, gibt es einige die das als absolut hinstellen, ich sage immer das es nur geraten ist, zwar auf hohem niveau, aber dennoch geraten weil wir niemals alles auf unserem Planeten verstehen koennen und werden, dazu haben wir einfach nicht die moeglichkeiten. es werden staendig neue erkenntnisse errungen, unser Wissen erweitert sich jeden Tag (bin mir nicht sicher bei einigen aber generell wuerde ich das schon so sagen.) Die forschung ist ein sich weiterentwickelndes gebiet wo man niemals sagen kann so ist es und nicht anders. Man kann immer nur vorhersagen nach dem jetzigen Wissen erstellen, man kann aber niemals sagen das es genau so kommen wird, und damit habe ich ein problem.
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