Satellitenfoto Vulkan verwirbelt die Wolken

Eindrucksvolle Turbulenzen hat ein Nasa-Satellit in der irdischen Wolkendecke beobachtet: Im Nordatlantik lässt eine Vulkaninsel eine 300 Kilometer lange Wirbelreihe entstehen.


Kármánsche Wirbelstraße, Vulkaninsel Jan Mayen (l.): Flüchtiges Kunstwerk
NASA/ JPL

Kármánsche Wirbelstraße, Vulkaninsel Jan Mayen (l.): Flüchtiges Kunstwerk

Auf den ersten Blick erinnert das Gebilde, das ein Satellit der Nasa aufgenommen hat, an eine aufwendige Handarbeit. Doch die scheinbar sorgfältig zu einem Muster geordneten Schlaufen sind in Wirklichkeit gigantische Wolkenwirbel, die sich über eine Strecke von mehr als 300 Kilometer hinziehen.

Das Foto des 1999 ins All geschossenen Erdbeobachters "Terra", das die US-Raumfahrtbehörde jetzt veröffentlicht hat, zeigt die womöglich längste derartige Wolkenstruktur, die bislang beobachtet wurde. Urheber des flüchtigen Kunstwerks war eine Vulkaninsel im Nordatlantik.

Über dem Meer ordnen sich Stratocumulus-Wolken oft zu parallelen Reihen entlang der Windrichtung an. Stoßen diese so genannten Wolkenstraßen auf ein genügend hohes Hindernis, kann auf dessen vom Wind abgewandten Seite eine lange Reihe von Wirbeln entstehen.

Diese Strömungserscheinung, die zum Beispiel auch an den Tragflächen von Flugzeugen auftritt, ist als Kármánsche Wirbelstraße bekannt. Benannt wurde sie nach dem ungarischen Luftfahrtforscher Theodore von Kármán (1881-1963), der vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA ging und Mitbegründer des Jet Propulsion Laboratory der Nasa wurde.

Das Hindernis, das zu der auf dem Satellitenfoto festgehaltenen Kármánschen Wirbelstraße führte, ist die links im Bild erkennbare norwegische Insel Jan Mayen. Auf dem verlassenen, 650 Kilometer nordöstlich von Island gelegenen Eiland erhebt sich der nördlichste aktive Vulkan der Welt, der rund 2200 Meter hohe Beerenberg.



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