Verlorener Regenwald Satellitenfotos zeigen immer schnellere Abholzung

Tausende Satellitenaufnahmen belegen, dass die Abholzung des Regenwalds seit 2000 weltweit rasant zugenommen hat: Alle fünf Jahre verschwindet ein Areal, das beinahe so groß ist wie Deutschland.
Gefällte Bäume im Amazonas-Wald (Archivbild): Zunehmende Abholzung

Gefällte Bäume im Amazonas-Wald (Archivbild): Zunehmende Abholzung

Foto: © Ricardo Moraes / Reuters/ REUTERS

In den vergangenen Jahren hatten Wissenschaftler mehrfach hoffnungsvolle Nachrichten verkündet: Es gebe eine Trendwende, die Abholzung des Regenwalds gehe zurück. Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Uno war im Jahr 2010 zum Schluss gekommen, dass von 2000 bis 2010 deutlich weniger Wald verschwunden war als in dem Jahrzehnt davor.

Nun haben Forscher der University of Maryland die Entwicklung des tropischen Regenwalds anhand von Satellitenbildern analysiert - und sie kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. Der Flächenverlust habe im Zeitraum von 1990 bis 2010 nicht ab-, sondern zugenommen, schreiben Do-Hyung Kim und seine Kollegen im Fachblatt "Geophysical Research Letters" .

"Es gibt verschiedene regionale Studien mit Satellitenbildern", sagt Kim, "aber unsere ist die erste, welche die gesamten Tropen umfasst." In die Analyse flossen Daten von 34 Ländern ein, die 80 Prozent der Flächen mit tropischem Regenwald weltweit repräsentieren.

Die Forscher nutzten 5500 Aufnahmen von "Landsat"-Satelliten aus den Jahren 1990, 2000, 2005 und 2010 mit einer Auflösung von 100x100 Metern. Die Auswertung übernahm eine Software, die automatisch die verlorengegangenen Waldflächen ermittelte.

Laut der neuen Analyse verschwanden von 1990 bis 2000 4,0 Millionen Hektar pro Jahr. Ein Hektar ist so groß wie zwei Fußballfelder. Im Zeitraum 2000 bis 2010 lag der Rückgang bei 6,5 Millionen Hektar - eine Zunahme von 62 Prozent. Der Rückgang entspricht der Fläche von Sri Lanka. Über fünf Jahre gerechnet, verschwindet demnach ein Areal tropischen Regenwalds fast so groß wie Deutschland.

Die größten Flächen des fürs Weltklima so wichtigen Regenwalds verschwinden laut der Studie in Brasilien - und zwar zuletzt 2,5 Millionen Hektar pro Jahr. Auf Rang zwei der größten Waldvernichter landet die Demokratische Republik Kongo (430.000 Hektar pro Jahr).

"Die Abholzung tropischen Regenwalds spielt eine wichtige Rolle bei den Zyklen des Weltklimas", sagt Douglas Morton vom Goddard Space Flight Center der Nasa, der an der Studie nicht beteiligt war. Das Abholzen von Wäldern und Verbrennen des Holzes habe in den Neunzigerjahren mit 20 Prozent zu den CO2-Emissionen der Menschheit beigetragen.

Die nun dokumentierte Zunahme der Abholzung ist für Morton keine Überraschung: "Die Abholzung wurde immer mehr mechanisiert", sagt er. In den Sechzigerjahren seien es Äxte gewesen, in den Siebzigern Kettensägen, und seit Anfang 2000 kämen Traktoren zum Einsatz.

hda