Schätzung der Arktis-Vorkommen Unentdecktes Erdgas reicht für sieben Jahre

Wie groß sind die Öl- und Gaslagerstätten der Arktis? US-Geologen haben eine neue Schätzung vorgelegt. Demnach schlummern dort 30 Prozent der bislang unentdeckten Erdgasvorräte und 13 Prozent der unentdeckten Ölvorräte.


Der Kampf um die Arktis läuft - und natürlich haben es die Anrainerstaaten vor allem auf die Bodenschätze abgesehen, die hoch im Norden in großer Menge vermutet werden. Der US Geological Survey (USGS) hat nun eine neue Studie über die Öl- und Gaslagerstätten in der Arktis vorgelegt.

Nach USGS-Schätzung lagern im nördlichen Polargebiet etwa 30 Prozent der bislang unentdeckten Erdgasvorräte der Erde. Zudem werden dort 13 Prozent der unentdeckten Ölvorräte vermutet, schreiben Donald Gautier und seine Kollegen im Fachjournal "Science". Die meisten Vorkommen gibt es den Forschern zufolge im Meeresboden in weniger als 500 Metern Tiefe.

Die neuen Zahlen bestätigen frühere Schätzungen und verdeutlichen zugleich, dass die Arktis das Problem schwindender Ressourcen nicht lösen kann, sondern höchstens um einige Jahre aufschieben. So entsprechen die vermuteten Gasvorräte von mindestens 21.800 Milliarden Kubikmetern etwa dem weltweiten Verbrauch von sieben Jahren. Derzeit werden weltweit rund 3100 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr gefördert. Der größte Teil der Gasreserven schlummert in Gebieten, die zu Russland gehören oder von Russland beansprucht werden.

Gautier und seine Kollegen sehen allerdings noch Chancen auf größere Gasvorkommen: Mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit seien diese sogar doppelt so groß wie in der konservativen Schätzung von 21.800 Milliarden Kubikmetern. Vom Energiegehalt her gesehen gebe es dreimal mehr unentdecktes Gas in der Arktis als unentdecktes Öl.

Die Öl-Lagerstätten seien zwar relativ klein im Vergleich zu der Fördermenge in typischen Öl-Export-Ländern wie Saudi-Arabien. Aber aufgrund der außergewöhnlichen Lage zwischen den Kontinentalplatten könnten sie eine wichtige Einnahmequelle für Russland und Norwegen werden und den andauernden Streit der fünf Arktis-Anrainerstaaten weiter anfachen.

Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland und die USA liefern sich seit Jahren einen Kampf um die großen Rohstoffvorkommen in der Arktis. Im Mai 2008 hatten sie sich zu einem friedlichen Lösungsweg unter Leitung der Uno verpflichtet. Bis heute wurden ihre unterschiedlichen Ansprüche allerdings nicht geklärt.

So beansprucht Russland etwa einen 1,2 Millionen Quadratkilometer großen Teil der Arktis einschließlich des Nordpols. Umstritten ist dabei, ob der Festlandsockel unter dem Eismeer als Fortsetzung des eurasischen Kontinents anzusehen ist. 2007 hatten russische Polarforscher zudem eine Nationalflagge aus Titan in mehr als 4000 Metern Tiefe auf dem Grund des Eismeeres aufgestellt und damit Moskaus Anspruch auf das Nordpolarmeer bekräftigt.

hda/dpa



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